Nach einem Jahr im Koma: Mann stirbt in Minsk nach schwulenfeindlichem Angriff

Vor über einem Jahr wurde Michail Pischtschjewskij in der weißrussischen Hauptstadt Minsk das Opfer einer homophoben Prügelattacke. Jetzt ist er in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Täter ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Es war im Mai 2014, als Michail Pischtschjewskij, von seinen Freunden „Mischa“ genannt, auf dem Weg nach Hause war, von einer schwulen Party in einem Nachtclub in Minsk. Da beschimpfte Dmitrij L. den 33-Jährigen, weil er schwul war. Und den Worten folgten bald Taten. Wie von Sinnen schlug der Mann auf sein Opfer ein.

Im Krankenhaus mussten die Ärzte Pischtschjewskij mehrmals wegen seiner Gehirnblutungen operieren und dabei ein Fünftel seines Gehirns entfernen. Aus dem Koma wachte er nicht mehr auf. „Mischa weilt nicht mehr unter uns. Jemand hat ihn aus dem Leben gerissen“, schrieb der weißrussische Aktivist Sergej Androsjenko am Dienstag in sozialen Netzwerken

Doch neben dem menschlichen Drama gibt es auch ein rechtliches: Denn obwohl es mehrere Zeugen für die schwulenfeindlichen Beschimpfungen von Dmitrij L. gab, weigerte sich die Staatsanwaltschaft, ihn wegen eines Hassverbrechens anzuklagen. Auch, dass der Täter gegenüber der Polizei sein homophobes Motiv bestätigte, kümmerte den Staatsanwalt nicht.

Stattdessen landete Dmitrij L. wegen „unabsichtlich zugefügter schwerer Körperverletzung“ vor Gericht – und wurde im Jänner verurteilt: Zu umgerechnet 7.500 Euro Schmerzensgeld für Michail Pischtschjewskij, 3.000 Euro für dessen Mutter und zwei Jahren und acht Monaten Haft.

Doch nicht einmal die musste Dmitrij L. absitzen. Bereits im August kam er wegen einer Amnestie wieder auf freien Fuß, nachdem er nur rund ein Drittel seiner Haftzeit verbüßt hatte.

Gerechtigkeit für Lesben und Schwule scheint in Weißrussland, der letzten Diktatur Europas, nicht mehr als ein frommer Wunsch an eine ferne Zukunft zu sein.