Präsident des italienischen Fußballverbandes bestreitet schwulenfeindliche Aussagen

Wieder sorgt Carlo Tavecchio, Präsident des italienischen Fußballverbands FIGC durch seine Aussagen für Aufregung: Im Juni soll er sich bei einer Veranstaltung schwulen- und judenfeindlich geäußert haben. Der 72-Jährige behauptet, sich an die Aussagen nicht erinnern zu können und sieht sich als Opfer.

Wie die angesehene Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ berichtet, soll Tavecchio bei einem Telefon-Interview mit der Online-Sportzeitung „SoccerLife“ gesagt haben, er habe gehört, dass einer seiner Vorgänger schwul gewesen sein soll. „Ich habe nichts dagegen, aber haltet sie fern von mir. Ich bin sehr normal“, fügte er hinzu.

Möchte er nichts mit Schwulen und Juden zu tun haben?

Weiters sagte Tavecchio im Zusammenhang mit dem Verkauf des Sitzes der nationalen Amateurliga, sie sei „an diesen Juden“ Cesare Anticoli gegangen. „Ich habe nichts gegen die Juden, aber es ist besser, sie sich vom Leib zu halten“, zitiert der „Corriere“ den Präsidenten des italienischen Fußballverbandes.

In einer ersten Reaktion versucht sich Tavecchio, als Opfer zu inszenieren. „Ich erinnere mich nicht an die Worte, die ich bei diesem Telefongespräch verwendet habe“, behauptet er: Diese könnten „manipuliert worden sein“. Die Aufnahme sei ohne sein Wissen angefertigt worden. Er sieht sich als Opfer eines Erpressungsversuchs und betonte, gute Beziehungen zur jüdischen Community zu haben. „SoccerLife“ bestätigte unterdessen die Echtheit der Aussagen.

„Ich will nicht, dass Homosexuelle bestraft werden“

Über seine homophoben Äußerungen meint Tavecchio in einer Stellungnahme, die auf der Homepage des italienischen Fußballverbands FIGC veröffentlicht wurde: „Die Vorwürfe der Homophobie betreffend, entspricht das nicht meiner Meinung. Auch hier ist der Mitschnitt sehr deutlich, ich sage ‚Ich habe nichts gegen Homosexuelle‘ und in der Tat habe ich noch nie jemanden deshalb diskriminiert. Ich respektiere die Entscheidungen von allen und glaube nicht, dass jemand deshalb unter Strafe gestellt werden soll.“

Die größte italienische Lesben- und Schwulenorganisation Arcigay fordert in diesem Zusammenhang, man müsse den FIGC-Präsidenten „von Positionen und Verantwortung im Sport fernhalten“. Die Bürgerrechtsorganisation Equality Italia forderte seine umgehende Absetzung.

„Enormer Schaden für den italienischen Sport“

Renzo Gattegna, Präsident des Verbandes der italienischen Juden, meinte, Tavecchio habe der Glaubwürdigkeit des Sports immensen Schaden zugefügt. Italienische Medien warnen, dass Tavecchios Verbleib Roms Kandidatur für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 gefährden könnte.

Tavecchio wurde letzten August zum Präsidenten des italienischen Fußballverbands FIGC gewählt. Seit 2007 war er bereits deren stellvertretender Präsident, zuvor Chef der Amateurliga.

Und es ist nicht das erste Mal, dass Carlo Tavecchio durch seine minderheitenfeindlichen Aussagen auffällt: Mit einer Aussage über Bananen essende ausländische Profis in der Serie A hat er einen Eklat ausgelöst. Dieser führte dazu, dass er vor einem Jahr sechs Monate von der FIFA für sämtliche Ämter gesperrt wurde. Über Frauenfußball sagte Tavecchio einmal, dass man Frauen im Vergleich zu Männern lange als „Behinderte“ angesehen haben, dabei seien sie sich „sehr ähnlich“.

Und auch abseits des Fußballverbandes ist Tavecchio kein Unschuldslamm. Der ehemalige christdemokratische Bürgermeister von Ponte Lambro wurde zwischen 1970 und 1998 insgesamt fünf Mal verurteilt, weil er unter anderem Steuern hinterzogen oder Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt hat.