Frankreich hebt Blutspendeverbot für schwule Männer auf

Allerdings werden zunächst zwölf Monate sexuelle Abstinenz gefordert

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreuz

Frankreich hebt das Blutspendeverbot für schwule Männer auf. Das hat Gesundheitsministerin Marisol Touraine heute bekanntgegeben. Trotzdem werden nur wenige schwule Männer von den neuen Blutspenderegeln profitieren.

Gesundheitsministerin: „Wir brechen heute ein Tabu“

„Blutspenden ist ein Akt der Großzügigkeit, von bürgerlicher Verantwortung, und die sexuelle Orientierung des Spenders kann keine Grundlage sein“, erklärte sie in Paris: „Während wir die Sicherheit der Patienten respektieren, brechen wir heute ein Tabu“.

Ab nächstem Jahr können zunächst Männer, die in den letzten 12 Monaten nicht gleichgeschlechtlich sexuell aktiv waren, Blut spenden, erklärte Tauraine weiter. Damit kommen vermutlich vor allem bisexuelle Männer, die primär Sex mit Frauen haben, in den Genuss der neuen Regelung. Ähnliche Richtlinien gibt es unter anderem in Großbritannien oder den Niederlanden.

Mit der Freigabe wird ein Wahlkampfversprechen erfüllt

Mit der Aufhebung des Blutspendeverbots für schwule Männer erfüllt Touraine ein Versprechen, das Präsident François Hollande in seinem Wahlkampf gegeben hat. Das Verbot wurde in den 1980er Jahren auf dem Höhepunkt der Aids-Krise verhängt.

In Österreich und Deutschland ist bereits einmaliger schwuler Geschlechtsverkehr ein Grund für einen lebenslangen Ausschluss von der Blutspende.

Rechtlich ist dieses Verhalten gedeckt: Der Europäische Gerichtshof hat im April bestätigt, dass seine Mitgliedsstaaten schwule und bisexuelle Männer in diesem Punkt sehr wohl diskriminieren dürfen, solange das Verbot verhältnismäßig ist.