Schwules Paar in Berlin nimmt insgesamt 24 Flüchtlinge auf

Dirk Voltz lebt mit seinem Mann Mario in Berlin. In diesem Sommer, während der Flüchtlingskrise, hat sich sein Leben wohl für immer verändert. Denn er und sein Partner haben sich entschlossen, Flüchtlinge in ihrer Wohnung aufzunehmen. Insgesamt 24 Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak fanden bei ihm ein Dach. Auf Facebook hat Voltz nun erklärt, warum er enttäuscht ist – und was er in dieser Zeit gelernt hat.

Muslimische Flüchtlinge bei einem Berliner Männerpaar – das sorgte auch in seinem Umkreis für Unbehagen: „Freunde und Bekannte hatten zu Anfang Berührungsängste. Die haben sich aber schnell gelegt, nachdem sie die Geflüchteten persönlich kennengelernt haben“, erzählt er „BuzzFeed“.

„Kein Muslim da gewesen, der uns im Schlaf abmurksen wollte. Keiner, der uns beschimpft, weil wir als Männer zu zweit ein Bett teilen. Niemand weit und breit, der die Scharia dem deutschen Grundgesetz vorziehen würde“, schreibt er auf Facebook weiter. Das Schlafzimmer haben Dirk und Mario nie abgeschlossen – der Schlüssel dafür von einem der Gäste als Katzenspielzeug missbraucht: „Unsere vier dicken, altersschwachen Kater hatten genauso viel Spaß wie der junge Mann“.

Und so stecken die Messer noch „genau dort, wo ich sie an meinem WMF-Brett installiert habe“ – wenn sie nicht gerade zum Zwiebel-, Knoblauch- oder Fleischschneiden verwendet werden. „Wenn wir überhaupt eine schlechte Erfahrung machen mussten, dann die, dass alle neuen Freunde grundsätzlich zu viel Salz und zu viel Zucker brauchen. Da lohnt dann auch gerne mal ein Einkauf bei Metro“, erinnert sich Dirk Voltz.

Doch für die richtig schlechten Erfahrungen und die mulmigen Momente sorgten nicht die Flüchtlinge, die Dirk und Mario bei sich unterbrachten – sondern jene Menschen, die gemeine SMS schrieben, über die Straße Morddrohungen riefen oder an der Haustüre beleidigende Briefe hinterlegten. „Oder auch einfach von Schulfreunden, die lieber die AfD zitieren, jammern und sich selbst bedauern“, so Voltz auf Facebook.

„BuzzFeed“ erklärt er auch, warum er die Flüchtlinge aufgenommen hat: „Ich habe das ganze Elend auf den Straßen Berlins gesehen. Speziell die Bilder vom LaGeSo sind ja kaum zu ertragen. Wegschauen und jammern war in solchen Fällen noch nie mein Ding, also pack ich an.“

Das Leben von Dirk Voltz hat sich durch die letzten Monate verändert: „Mario und ich leben noch. Vielleicht sogar intensiver als zuvor. Ob wir je zurück zu einem „normalen“ Alltag finden, wissen wir noch nicht. Was interessiert mich das Luxus-Geschwätz von gestern?“, schreibt er auf Facebook.

Und allen Zweiflern gibt er einen persönlichen Rat mit auf den Weg: „Ganz sicher weiß ich, dass dieser Sommer und dass dieser Herbst unser Leben verändern werden. Ihr könnt dabei sein. Oder aber ihr habt einfach nur Angst. Und dann tut es mir leid. Es tut mir leid für die, die in Angst leben.“

Links zum Thema