Mormonen verbannen Homo-Ehepaare – und auch ihre Kinder

Die Mormonen verschärfen ihre Gangart gegenüber Lesben und Schwulen: Wer eine gleichgeschlechtliche Ehe eingeht, wird künftig automatisch aus der Kirche ausgeschlossen. Auch Kinder von Regenbogenfamilien trifft der Bannstrahl der Kirche.

In den letzten Tagen hat die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ eine neue Version des „Mormon Handbook“ an die Pfarren in aller Welt verschickt. Dieses ist für alle Mitglieder der Kirche bindend. Als Reaktion auf die Öffnung der Ehe in den USA grenzen sich die Mormonen nun stärker von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ab.

Genereller Bann statt Einzelentscheidungen

Schon bisher waren die Mormonen nicht wirklich lesben- oder schwulenfreundlich. So unterstützten sie in Kalifornien beispielsweise im Jahr 2008 „Proposition 8“ – jenes Volksbegehren, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wieder verboten hatte. Um Lesben oder Schwule aus der Kirche auszuschließen, musste dieser Ausschluss aber beantragt werden. Ob er durchging, hing von der Gemeinde selbst ab.

Doch damit ist jetzt Schluss: Ab sofort sollen verheiratete Homo-Paare ausdrücklich als „Abtrünnige“ gebrandmarkt und ausgeschlossen werden. Kinder aus Regenbogenfamilien werden nun nicht mehr, wie bei den Mormonen üblich, als Babys gesegnet und im Volksschulalter getauft. Sie können nun mit 18 Jahren der Kirche beitreten, wenn sie dafür aus dem Haushalt ihrer gleichgeschlechtlichen Eltern ausziehen sowie sich von ihnen und dem Konzept der Ehe-Öffnung distanzieren.

Unterschied zwischen weltlichen und göttlichen Gesetzen

„Wir mussten aufzeigen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem, was rechtlich erlaubt ist, und dem, was die Kirche und Gott als Gesetze vorgeben“, erklärt David Todd Christoferson, der als einer der zwölf „Apostel“ dem Führungszirkel der Kirche angehört.

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ wurde 1830 gegründet und hat weltweit etwa 15 Millionen Mitglieder, die Hälfte davon in den Vereinigten Staaten. Im US-Bundesstaat Utah stellen sie die Mehrheit der Bevölkerung und gestalten auch die Politik dort aktiv mit. So ganz erfolgreich dürften sie dabei aber nicht sein: Letzte Woche wurde in Salt Lake City, der Hauptstadt von Utah, die offen lesbische Demokratin Jackie Biskupski mit 52 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin Gewalt.