Krzysztof Charamsa: ‚Die Kirche braucht ihr Stonewall‘

Zum ersten Mal hat Krzysztof Charamsa, inzwischen suspendierter Hochwürden im Vatikan, im deutschsprachigen Fernsehen über sein Outing und seine Ansichten gesprochen. Bei „Talk im Hangar-7“ auf dem Privatsender „Servus TV“ forderte er eine „Revolution“ in der römisch-katholischen Kirche.

„Ich bin überzeugt, dass die Kirche ihr eigenes Stonewell braucht, eine Revolution der gläubigen Homosexuellen, die diskriminiert werden, deren Leben zerstört werden. Ich bekomme dieser Tage viele Mails und Briefe von diesen Gläubigen, die mir ihr Herz öffnen und mir sagen: endlich. Endlich einer, der zur Kirche sagt: Es ist genug!“, so der polnische Monsignore.

Charamsa betont: Nicht er habe mit der Kirche gebrochen, sondern die Kirche mit ihm: „Das ist etwas völlig anderes! Ich habe zu meiner Kirche gesagt: Ich bin schwul und ich verlange, dass du mich respektierst und ich werde niemanden um Verzeihung bitten, auch dich nicht, meine liebe Kirche, weil du mich um Verzeihung bitten musst für all den Hass und die Unterdrückung, die du in mein Herz gebracht hast, während ich mich dir anvertraut und dir gedient habe. Du hast mich um Verzeihung zu bitten“, erklärt der Geistliche auf Servus TV.

Sein öffentliches Coming out war für Krzysztof Charamsa nicht einfach – auch dazu nimmt er im „Talk im Hangar-7“ Stellung. Er wollte sich damit befreien, erklärt er: „Meine Offenbarung ist das Resultat einer langen Reflexion über die Positionen der Kirche, die feindlich, irrational und paranoid gegenüber einer sexuellen Minderheit sind.“

Überhaupt sei der Vatikan „nicht der beste Arbeitsplatz auf dieser Welt“: Charamsa empfiehlt ihn „auch sonst niemandem“: „Der Vatikan ist durchsetzt von einem politischen Krieg. Ein Krieg der dem Sinn des Evangeliums zuwider läuft. Etwas im Vatikan zu ändern ist schwierig bis unmöglich. Der Vatikan wird sich nicht selbst befreien können, er braucht internationale Hilfe – Kontrolle und Reformen. Jene des Papstes werden derzeit konterkariert. Der Vatikan ist eine Institution, in der eine regelrechte Papst-Phobie herrscht.“, gibt er die derzeitige Stimmung in Rom wieder.

Charamsa promovierte 2002 an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, der wichtigsten Hochschule der römisch-katholischen Kirche. Seit 2009 lehrte er dort als Dozent, bereits seit 2004 an der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum in Rom. 2011 wurde er zum Assistenzsekretär der Internationalen Theologischen Kommission der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan ernannt. Mit seinem Outing am 2. Oktober 2015 hat er all diese Titel und Aufgaben verloren. Er lebt nun mit seinem Lebensgefährten, dem Katalanen Eduard Planas, in Rom und Barcelona.

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