[Video|Tweets] Xavier Naidoo für Deutschland beim Song Contest

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat bekanntgegeben: Deutschland schickt 2016 Xavier Naidoo zum Song Contest. Musikalisch ist der Mannheimer einer der erfolgreichsten deutschen Interpreten – doch seine politischen Ansichten werfen einen Schatten über diese Entscheidung.

ARD lobt „Ausnahmekünstler“ Naidoo

Naidoo sei ein „Ausnahmekünstler“, der seit zwanzig Jahren seinen Platz im deutschen Musikleben habe, erklärt Thomas Schreiber, der Unterhaltungskoordinator der ARD. Und die musikalische Bilanz von Naidoo bestätigt das eindrucksvoll: Seine Alben wurden durchwegs mit Platin oder Gold ausgezeichnet. Mit „Dieser Weg“ lieferte Xavier Naidoo im Jahr 2006 den deutschen Soundtrack zum Fußball-Weltmeisterschaft.

Auch jede Menge Auszeichnungen, vom Echo über den Comet bis zur Goldenen Kamera, konnte er während seiner Karriere gewinnen. Für die TV-Show „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ bekam er zuletzt 2014 den Deutschen Fernsehpreis. Derzeit ist Naidoo mit den Söhnen Mannheims anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Band auf Tour. Auf den ersten Blick scheint er der bestmögliche Kandidat Deutschlands für den Eurovision Song Contest zu sein.

Naidoo: Mit politischen Ansichten in der Kritik

Allerdings machte Xavier Naidoo in letzter Zeit nicht nur durch seine Musik Schlagzeilen: Wegen seiner Nähe zu Verschwörungstheoretikern und „Reichsbürgern“ wurde er kritisiert: Letztes Jahr trat er am Tag der Deutschen Einheit auf einer Veranstaltung der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremistischen Organisation in Berlin auf.

Wenige Wochen zuvor hat er bei einem Konzert in Mannheim für Irritationen gesorgt. „Hat Deutschland eine Verfassung oder ist Deutschland noch besetzt?“, fragte der Sänger gegen Ende des Konzerts provokant. Er forderte das Publikum auf, sich zu informieren, sich zu interessieren, „weil wir eigentlich gar kein richtiges Land sind. Weil wir immer noch besetzt sind“, so Naidoo im August 2014.

Für Naidoo ist Deutschland „ein besetztes Land“

Was er damit meint, erklärte er bereits 2011 im ARD-Morgenmagazin: Deutschland sei kein freies, sondern ein besetztes Land, da der 2+4-Vertrag, der die Einheit Deutschlands im Jahr 1990 festlegte, kein gültiger Friedensvertrag sei, so der deutsche Song-Contest-Starter.

„Naidoo vertritt im Einzelnen radikal libertäre, antistaatliche Positionen, mit denen wir uns als Stadt in keiner Weise identifizieren können.“, sagte der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz in diesem Zusammenhang zur „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ).

Stünde Naidoo den „Reichsbürgern“ wirklich so nahe, würde ironischerweise jemand, der die Existenz Deutschlands in Frage stellt, für Deutschland beim größten Musik-Wettbewerb der Welt antreten. Im Oktober wurde Naidoo für seine Ansichten in der Kategorie „Rechtsesoterik, Reichsbürger und BRD-GmbH“ mit dem „Goldenen Aluhut“ ausgezeichnet, einem Schmähpreis, mit dem die skurrilsten Verschwörungstheorien und Pseudowissenschaften des Jahres auszeichnet werden.

Homophober Song: „Warum liebst du keine M**e?“

Im Jahr 2012 fiel Xavier Naidoo auch durch einen homophoben Ausfall auf: „Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht“, sang er gemeinsam mit Rapper Kool Savas auf „Wo sind“, einem „Hidden Track“ des „Xavas“-Albums „Gespaltene Persönlichkeit“. Weiter heißt es in dem Song: „Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Kl***n. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Sch****e nicht im Griff. Warum liebst du keine M**e, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“

ARD-Unterhaltungskoordinator Schreiber lässt die Kritik am deutschen Starter für den Eurovision Song Contest nicht gelten: „Xavier Naidoo ist weder rechtspopulistisch noch homophob oder antisemitisch. Xavier ist als Kind selber massiv diskriminiert worden und hat Schläge bekommen, weil er keine weiße Hautfarbe hat. Er ist – so hat er mir erzählt – nur durch die Hilfe eines jüdischen Onkels überhaupt nach Deutschland gekommen. Seit Jahren setzt er sich für die deutsch-israelische Freundschaft ein, engagiert sich für Flüchtlinge (ohne jedes Mal darüber zu reden), arbeitet mit zahlreichen Menschen zusammen, die in den unterschiedlichsten Lebensentwürfen leben“, erklärt er anlässlich bei der Bekanntgabe des Song-Contest-Kandidaten. Naidoo stehe seit Langem für „Werte wie Frieden, Toleranz, Liebe“.

Protest auf Twitter gegen Naidoo beim Song Contest

Auf Twitter scheint man diesen Erklärungen nicht ganz zu glauben: Etliche Nutzer kritisierten die Entscheidung, es gibt bereits eine Internet-Petition, um die Entscheidung des NDR rückgängig zu machen. Innerhalb weniger Stunden hatte diese bereits 1.350 Unterstützer.

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