Xavier Naidoo ’nicht homophob, weil er Türsteher in Schwulendisco war‘

Xavier Naidoo verteidigt seine Nominierung als deutscher Kandidat für den Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm. In einer Stellungnahme auf der offiziellen Song-Contest-Seite des NDR betont der 44-Jährige, dass er seit seinen ersten Bühnenauftritten „öffentlich für Werte wie Freiheit, Toleranz und Liebe“ einstehe.

Naidoo war unter anderem wegen seiner Nähe zu den „Reichsbürgern“ in die Kritik geraten. Diese rechtsesoterische Gruppierung zweifelt unter anderem die Existenz eines souveränen deutschen Staates an und spricht von einer „BRD GmbH“, die von den USA gelenkt werden soll.

Auch legt ein „Hidden Track“ auf einem Album, das Naidoo gemeinsam mit dem Rapper Kool Savas produziert hatte, nahe, dass der in Südafrika geborene Künstler homophob sei. „Warum liebst du keine M***, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“, heißt es im Lied „Wo sind“.

Naidoo weist vorwürfe zurück

Zu diesen Vorwürfen meldete sich nun Xavier Naidoo selbst zu Wort: „Mir widerstrebt, mich jetzt bekennerhaft für etwas zu rechtfertigen, was ich nicht bin und was ich schon mehrfach erläutert habe. Nur soviel: Ich bin froh, in einem ‚bunten‘ Deutschland zu leben, mit einer Vielfalt an Lebensentwürfen und Religionen, über die ich mich freue“, sagt er gegenüber dem NDR. Er betonte, die Auffassungen der „Reichsbürger“ nicht zu teilen und sich öffentlich von ihnen distanziert zu haben.

Dann geht der deutsche Song-Contest-Kandidat in die Offensive: „Ich stehe für Meinungsfreiheit. Es ist allerdings schade, dass Menschen, die mich ganz offensichtlich nicht kennen, aufgrund unzutreffender Darstellungen substanzlos und schlecht über mich reden“, so Naidoo weiter.

ARD-Unterhaltungschef: „Naidoo fordert Ehe-Gleichstellung“

Ähnlich äußert sich auch Thomas Schreiber, ARD-Unterhaltungschef, in einem Interview. Xavier Naidoo sehe für Toleranz, auch habe er kein Problem mit Homosexuellen, so Schreiber: „Er hat vor kurzem die Resolution an die Kanzlerin unterschrieben, die die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe fordert.“

Damit meint er einen Offenen Brief an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, in sie dem mehrere prominente Künstler auffordern, die Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Eherecht zu beenden. Neben Naidoo haben diesen Brief unter anderem auch Nena, Lena, Udo Lindenberg, Die Ärzte und Thomas D unterzeichnet.

Weiters erklärte Schreiber, Naidoo habe während seiner Karriere laufend mit anderen Künstlern zusammengearbeitet, „die unterschiedlichste sexuelle Orientierungen leben“. Der Sänger habe außerdem „als junger Mann als Türsteher in Schwulen-Discos gearbeitet“.

Nominierung für Claudia Roth „voll daneben“

Doch die Kritik an der Entscheidung, Xavier Naidoo zum deutschen Kandidaten für den Eurovision Song Contest in Stockholm zu machen, hält weiter an. Der deutsche Lesben- und Schwulenverband (LSVD) sieht die Nominierung als „äußerst kritisch“: „Deutschland steht für eine pluralistische Gemeinschaft“, so LSVD-Bundesvorstand Tobias Zimmermann. „Jeder hat eine zweite Chance verdient. Ich sehe aber nicht, dass Xavier Naidoo sich von dem rechten Gesinnungsgut distanziert hat“, erklärte Zimmermann mit Blick auf Naidoos Auftritt vor der rechtspopulistischen Reichsbürgerbewegung.

Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, kritisierte in der Online-Ausgabe des „Spiegel“: „Dass ausgerechnet Xavier Naidoo in Zeiten von Pegida und AfD das Gesicht Deutschlands in der Welt sein soll, finde ich voll daneben“. Die Grünen-Politikerin meint, die ARD würde mit dieser „mindestens unsensiblen Entscheidung“ Deutschland „einen Bärendienst“ erweisen: „Auch hat es eine ganz eigene Ironie, wenn zum ESC mit seiner großen LGBT-Anhängerschar ausgerechnet ein homophober Künstler geschickt wird, der bei Montagsdemos auftritt“, so Roth weiter.