Zypern beschließt Eingetragene Partnerschaften

Stehen hetero- und homosexuellen Paaren offen

Flagge von Zypern
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Das Parlament der Republik Zypern hat gestern mit großer Mehrheit die Einführung Eingetragener Partnerschaften gestimmt. 39 Abgeordnete stimmten dafür, zwölf waren dagegen, drei enthielten sich der Stimme. Damit erkennen 20 von 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gleichgeschlechtliche Partnerschaften an.

Eingetragene Partnerschaft für alle Paare – gegen den Widerstand der Kirche

Die Eingetragene Partnerschaft steht in Zypern schwulen, lesbischen und heterosexuellen Paaren offen. Sie berechtigt nicht zur Adoption, auch im Erbrecht gibt es keine Besserstellungen zu unverheirateten Paaren. Damit das Gesetz in Kraft tritt, muss es noch von Präsident Nicos Anastasiades unterschrieben werden.

Stimmung gegen das Gesetz hat in den letzten Monaten vor allem die orthodoxe Kirche Zyperns gemacht. Lob für den Beschluss gibt es hingegen vom Europäischen Lesben- und Schwulenverband ILGA-Europe. „Gleichgeschlechtliche Paare und ihre Familien verdienen denselben Schutz wie ihre heterosexuellen Freunde und Nachbarn“, freut sich Evelyne Paradis, Geschäftsführerin von ILGA-Europe.

Homosexualität ist in Zypern erst seit 1998 legal, Schutzalter wurde 2002 gesenkt

Damit hat Zypern einen weiteren großen Schritt gemacht: Homosexualität wurde auf der Insel erst 1998 entkriminalisiert. Das Schutzalter wurde 2002 auf einheitlich 17 Jahre festgelegt. Auf Druck der EU gibt es seit dem Beitritt des Landes zur Union im Jahr 2004 auch ein Anti-Diskriminierungsgesetz. In der Hauptstadt Nikosia fand im Mai erstmals in der Geschichte des Landes eine Lesben- und Schwulenparade statt.

Mit der Einführung von Eingetragenen Partnerschaften befindet sich Zypern nun im hinteren Mittelfeld, was die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen betrifft. Das einzige Standardmodell nutzen heute nur mehr sieben weitere EU-Staaten, nämlich Deutschland, Estland, Kroatien, Malta, Österreich, Tschechien und Ungarn.

Zwölf Mitgliedsstaaten, Belgien, Dänemark, Frankreich, Finnland, Großbritannien ohne Nordirland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Schweden, Slowenien und Spanien, haben die Ehe für alle Paare geöffnet. In acht Staaten der Union gibt es keine Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Es sind dies Italien, Griechenland, Bulgarien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien und die Slowakei.