HIV-Medikamenten-Wucherer: ‚Wir hätten noch teurer werden sollen‘

Bei den Kandidaten für den Titel „Arschloch des Jahres“ nimmt er wohl einen der vorderen Plätze ein: Martin Shkreli, 32 Jahre alter Vorstandsvorsitzender von Turing Pharmaceuticals. Er hatte die Rechte für Daraprim, ein 62 Jahre altes Medikament, gekauft – und dann die Preise hinaufgeschraubt. Von 13,50 Dollar hat er den Preis pro Tablette innerhalb von 24 Stunden auf 750 Dollar hinaufgeschraubt – bei Herstellungskosten von einem einzigen Dollar.

Das Medikament wird vor allem gegen Toxoplasmose eingesetzt, eine potenziell lebensbedrohliche parasitäre Infektion. Sie tritt bei Neugeborenen auf, deren Mütter sich während der Schwangerschaft infiziert haben, oder bei Menschen mit einem komprimierten Immunsystem, wie Aids-Kranke oder Krebspatienten. Auch wirkt das Medikament gegen Malaria.

Nach einem öffentlichen Aufschrei hat Shkreli den neuen Preis großzügigerweise um 50 Prozent gesenkt. Nun hat der ehemalige Hedgefonds-Manager beim Forbes Healthcare Summit gesagt, er hätte den Preis für Daraprim noch stärker anheben können „und so noch mehr Gewinn machen“.

„Das ist eine kapitalistische Gesellschaft, ein kapitalistisches System und Kapitalismus regiert“, sagte er: „Meine Investoren erwarten von mir die Profite zu maximieren, nicht zu minimieren, zu halbieren, oder 70 Prozent zu machen, sondern auf der Gewinnkurve, die wir alle beim BWL-Studium gelernt haben, 100 Prozent zu erreichen.“

Ein Ziel, das Shkreli aber offenbar verfehlt hat. Denn die öffentliche Empörung hat Turing Pharmaceuticals nicht gut getan. Im November mussten sie bekanntgeben, im dritten Quartal einen Verlust von 14,6 Millionen Dollar gemacht zu haben. Weiters ermittelt der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman gegen die Firma: Er überprüft, ob die Erhöhung des Preises für Daraprim gesetzeskonform war. Der Verdacht: Shkrelis Firma habe gegen das Kartellrecht verstoßen, weil sie Konkurrenten behindert haben könnte, ein Generikum für das Medikament auf den Markt zu bringen.

So ganz dürfte dieser Plan auch nicht funktioniert haben: Die in San Diego beheimatete Firma Imprimis Pharmaceuticals hat angekündigt, eine Tablette mit den Wirkstoffen von Daraprim auf den Markt zu bringen. Der Preis für eine 100-Stück-Packung wurde mit 99 Dollar angegeben. Und weitere günstigere Medikamente könnten folgen: „Wir schauen uns alle Fälle an, in denen Firmen mit Medikamenten-Monopolen die Preise hochgeschraubt haben“, kündigt Imprimis-Geschäftsführer Mark Baum in einem Interview an.