Pharma-Turbokapitalist Martin Shkreli in Haft

US-Bundesbehörden haben heute Martin Shkreli in seinem Apartment in Manhattan festgenommen. Das berichtet der US-Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg. Der 32-Jährige Unternehmer war im September in die Schlagzeilen geraten, weil er den Preis eines Medikaments, das auch für HIV-Positive lebensnotwendig ist, nach der Übernahme der Produzenten um das 55-fache erhöht hat.

Doch festgenommen wurde er aus einem anderen Grund: Die Behörden werfen Shkreli vor, unrechtmäßig Vermögen von seiner 2011 gegründeten Biotech-Firma Retrophin entnommen zu haben, um damit Finanzlücken aus anderen Geschäften zu stopfen. Schon vor einigen Wochen wurde er wegen „ernsthafter Bedenken wegen seines Verhaltens“ aus der Firma geschmissen und von der Geschäftsführung auf 65 Millionen Dollar verklagt. Bis zu diesem Zeitpunkt war er CEO von Retrophin. Die Firma, die an den Manipulationen nicht aktiv beteiligt ist betont, „mit den Ermittlungen der Regierung gegen Herrn Shkreli vollständig zusammenzuarbeiten“.

Shkreli ließ sich davon nicht beeindrucken: „Die 65 Millionen Dollar, die Retrophin von mir will, sind mir egal. Mir geht’s großartig. Ich lecke mir schon die Lippen, wenn ich an die Prozesse denke, die ich gegen sie führen werde.“

Die Bundesbehörden werfen Martin Shkreli vor, mit verschachtelten Hütchenspielereien begonnen zu haben, nachdem sein Hegefonds MSMB Capital Management mehrere Millionen Dollar verloren hat. Dazu soll er geheime Auszahlungen von Retrophin vorgenommen und falsche Berater-Verträge aufgesetzt haben. Der New Yorker Anwalt Evan Greebel, dem Komplizenschaft in dieser Angelegenheit vorgeworfen wird, wurde ebenfalls verhaftet. Shkrelis Anwalt, die ehemalige Kanzlei von Greebel und der zuständige Bundesstaatsanwalt waren für eine Stellungnahme gegenüber Bloomberg zunächst nicht erreichbar.

Shkreli, Sohn albanischer und kroatischer Einwanderer, wurde im September zu einem der am meisten gehassten Männer der USA: Kurz nachdem er die Pharmafirma Turing Pharmaceuticals gekauft hatte, erhöhte er den Preis für dessen Medikament Daraprim um das 55-fache von 13,50 auf 750 Dollar. Das Medikament, dessen Produktionskosten bei etwa einem Dollar liegen und das bereits seit 62 Jahren auf dem Markt ist, wird vor allem gegen Toxoplasmose eingesetzt. Das ist eine parasitäre Infektion, die für Neugeborene, deren Mütter sich während der Schwangerschaft infiziert haben, lebensgefährlich sein kann. Gefährdet sind auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, wie Aids-Kranke oder Krebspatienten. Auch wirkt Daraprim gegen Malaria.

Der Aufschrei in den USA war groß: Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump bezeichnete Martin Shkreli als „verzogenen Fratz“. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders lehnte eine Spende Shkrelis in der Höhe von 2.700 Dollar für seine Kampagne ab und spendete das Geld stattdessen einer HIV-Klinik. Sein Sprecher betonte, das Wahlkampfteam würde kein Geld „von diesem Aushängeschild für die Gier der Pharmaindustrie“ behalten.

Er selbst war sich keiner Schuld bewusst: Bei einer Podiumsdiskussion, die vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ organisiert wurde, sagte er: „Ich hätte den Preis vermutlich noch höher angesetzt, meine Investoren erwarten, dass ich die Gewinne maximiere“. Als ihn die aussichtsreiche demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton aufforderte, den Preis für Daraprim zu senken, twitterte er als Antwort ein kurzes „lol“.