Robert Spitzer ist tot

Der Psychiater Robert Spitzer ist tot. Er litt an Parkinson und starb an den Folgen seiner Herzprobleme im Alter von 83 Jahren am Freitag in Seattle. Das berichten die „New York Times“ und die „Washington Post“. Spitzer gilt als Vorreiter in der Erforschung von Homosexualität. Ihm ist es zu verdanken, dass diese von der Liste der psychischen Erkrankungen gestrichen wurde.

Für viele seiner Kollegen war Spitzer, der als Professor für Psychiatrie an der Columbia-Universität lehrte, der „einflussreichste Psychiater seiner Zeit“. Er war einer der ersten Fachärzte, die Homosexualität nicht als seelische Störung sahen. Das sorgte, kurz nach dem ersten Aufflammen der modernen Schwulenbewegung, für Aufsehen. Bis dahin waren auch Experten der Meinung, Betroffene könnten von ihrer Homosexualität geheilt werden – eine These, die heute kein seriöser Psychologe oder Psychiater mehr vertritt.

Schlussendlich setzte er sich bei seinen Kollegen durch. Im Jahr 1973 wurde Homosexualität aus dem Krankheitskatalog DSM der American Psychiatric Association, dem Standardwerk zur Klassifizierung seelischer Krankheiten, gestrichen. Im Jahr 1992 wurde Homosexualität auch als Krankheitsbild aus dem von der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) entfernt.

Im Jahr 2001 sorgten Spitzers Erkenntnisse zu Homosexualität erneut für Aufregung: Da untersuchte er „Konversionstherapien“ und interpretierte die Ergebnisse so, dass seiner Meinung nach einige wenige, besonders motivierte Menschen Homosexualität ablegen und ein erfülltes Leben als Heterosexuelle führen könnten. Innerhalb der Lesben- und Schwulenbewegung, in der Robert Spitzer zuvor gefeiert worden war, sorgten diese Aussagen für Empörung. Sie warfen dem Psychiater vor, dass die Untersuchung wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen würde.

Spitzer zog die Studie deshalb im Jahr 2012 wieder zurück: Dabei erklärte er, dass Versuche, Homosexualität zu unterdrücken, „viel Schaden“ anrichten könnten: „Ich entschuldige mich bei allen homosexuellen Menschen, die ihre Zeit und Energie für irgendeine Form der ‚reparativen‘ Therapie verschwendet haben, weil sie glaubten, ich hätte bewiesen, dass sie bei einigen ‚hochmotivierten Personen‘ wirksam sei“, so Spitzer in diesem Zusammenhang.