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[Rückblick] Homo-Razzia in Wien, keine Lebensrettung für Schwule und der sinnlose Tod einer Transfrau

Jänner: Der tragische Tod einer Transfrau in Ottakting

Der Jänner war in der Berichterstattung von GGG.at geprägt von der Ermordung der Transgender-Frau Hande Ö. in Wien-Ottakring. Der Artikel über den tragischen Tod der 35-Jährigen führt die Monatsstatistik mit Abstand an. Sie wurde mit einem Tuch erdrosselt und erst nach einigen Tagen in ihrer Einzimmer-Wohnung in der Haymerlegasse gefunden. In der Wohnung gab es Kampfspuren.

Nach Österreich kam Hande Ö. weniger als ein halben Jahr zuvor, um jenen Repressalien zu entkommen, denen Transgender in der Türkei ausgesetzt sind. Die 35-Jährige war „mangels Alternativen dazu gezwungen, der Sexarbeit nachzugehen“, so die Organisation „Asyl in Not“ in einer Aussendung.

Begräbnis durch Spenden finanziert, Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt

Weil sich die Eltern von Hande Ö. weigerten, die Leiche ihres Kindes in die Heimat überführen zu lassen, sammelten Freunde und Aktivisten in Österreich Geld für die Überführung und ein Begräbnis in der Heimat. In ihrer Heimatstadt Izmir wurde die 35-Jährige schließlich bestattet, ihr Sarg war mit einer Regenbogenflagge bedeckt.

Mitte Februar wurde schließlich ihr mutmaßlicher Mörder gefunden. Ein 32-jähriger Serbe, der Kunde der Transfrau war, wurde festgenommen und im September schließlich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Angeklagte bestritt bis zuletzt, dass er sein Opfer töten wollte. „Ich wollte nicht, dass sie stirbt. Ich habe mir gedacht, sie wird nur bewusstlos“, sagte er vor Gericht.

Lesbische Küsse im Familienprogramm

Außerdem waren – so kurz nach Weihnachten – offenbar einige Zuseher des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit einem Kuss zweier Frauen überfordert. Während der Präsentation der Mode des Jungdesigners Mark Baigent in „heute leben“, einem eher biederen Nachmittagsprogramm in ORF 2, küssten sich die beiden weiblichen Models spontan und live vor 400.000 Zusehern.

Während die Verantwortlichen beim ORF den Vorfall eher locker sahen, waren nicht alle Zuseher so offen. „Wie kann man solche Menschen nur herzeigen bei so einer Sendung“, regte sich Facebook-User Chris D. auf. Und Georg H. finden Frauen, die sich küssen, „einfach widerlich“. Und auch Mark Baigent bekam den Zorn zu spüren: „Hass-Posts wie ‚Ich bringe dich um‘ gehen mir sehr nahe“, so der Jung-Designer gegenüber der Tageszeitung „Heute“.

Razzia im Camera-Club: Rache für die Prückel-Demo?

Und auch das dritte Thema, das die Community im Jänner am meisten bewegte, kam aus Österreich: Mitte des Monats wurden die Gäste des „Cage“ im Camera Club in der Wiener Neubaugasse unfreiwillig aus ihrem Tanzvergnügen gerissen: Es gab eine behördliche Kontrolle, bei der die Stadt Wien, die Polizei und die Gebietskrankenkasse unter anderem die Einhaltung der Gewerbeordnung, aber auch Verstöße gegen das Lohn- und Sozialdumpinggesetz überprüften.

Was kompliziert klingt, führte dazu, dass etliche Gäste den Camera Club wieder verlassen mussten. Denn die Betriebsanlagengenehmigung, älter als die meisten Party-Besucher, lässt nur eine geringe Zahl an Personen in der Location zu. Ob der Zeitpunkt der Razzia – einen Tag nach der „Küssen im Prückel“-Aktion – bewusst gewählt war, konnte nicht bestätigt werden. Mittlerweile finden deshalb aber auch keine schwulen Parties mehr im Camera Club statt.

Februar: Pater soll zwei Burschen missbraucht haben

Der meistgelesene Artikel im Februar handelte von der Suspendierung eines Paters im ehrwürdigen Stift Admont in der Obersteiermark. Dem Geistlichen wurde in einem Bericht des „Falters“ vorgeworfen, mit den heute 17 und 19 Jahre alten Burschen in den letzten drei Jahren wiederholten sexuellen Kontakt gehabt zu haben.

Das Stift Admont hat den Pater nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort von allen Ämtern und Aufgaben enthoben, die Staatsanwaltschaft Leoben hat ermittelt, ob der Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vorgelegen hat. Nur dann wären sexuelle Handlungen mit mündigen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren zivilrechtlich strafbar.

Pfleger hatten Sex vor Schlaganfall-Patientin

Deutlich älter war die Leidtragende im zweiten Artikel, den die Leser von GGG.at im Februar besonders gern gelesen haben: Er handelte von zwei Pflegern in San Diego, die im Jahr 2011 mehrmals Sex im Zimmer einer 99 Jahre alten Schlaganfall-Patientin hatten. Dabei wurden sie allerdings gefilmt – sie wurden angezeigt und mussten sich vor Gericht verantworten.

Die Anwälte der Pfleger beinten, dass die Patientin während des Sex nicht vernachlässigt wurde oder gar mitbekam, was die beiden Männer in ihrem Zimmer trieben.

März: Bischof von Chur erzürnt die Gemüter

Der Spitzenreiter der März-Statistik verfolgte die GGG.at-Leser fast übers ganze Jahr: Vitus Huonder, Bischof des Schweizer Kantons Chur. Homosexualität sei ein „Gräuel“, so Huonder während einer Predigt.

„Wenn die heilige Schrift sagt, etwas sei ein Gräuel vor dem Herrn (Lev 18,22; 20,13), dürfen wir die Menschen nicht in der Meinung lassen, wenn es ‚aus Liebe‘ (in Anführungszeichen) geschehe, sei es gut und es könne durch eine sogenannte Segnung gleichsam saniert werden.“, so der Bischof.

Im August bekräftige er diese Meinung bei einer Konferenz konservativer Christen in Deutschland. Schlussendlich ging sogar die Schweizer Bischofskonferenz auf Distanz zu Huonder, er selbst betonte, das Zitat sei nur für den „innerkirchlichen Fachdiskurs“ gedacht gewesen und beklagte die „Meinungsdiktatur“, die in kritisierte.

Wenn Sanitäter Schwule verbluten lassen dürfen

Ebenfalls für viel Interesse sorgte ein Artikel über Gesetze, welche die Rechte von Lesben und Schwule beschneiden sollen. Unter dem Schutzmantel der Religionsfreiheit haben in mehreren US-Bundesstaaten Dienstleistern und Verkäufern das Recht, ihre Leistungen schwulen und lesbischen Kunden zu verweigern.

Solche Gesetze könnten einem Sanitäter erlauben, einer schwulen oder lesbischen Person lebensrettende Maßnahmen zu verweigern, warnte die schwul-lesbische Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign (HRC): „Das Gesetz birgt für Minderheiten die Gefahr, überall Dienstleistungen verweigert zu bekommen, vom Supermarkt bis zur Arztpraxis“.

Kanada und das Toiletten-Problem

Ein kanadischer Gesetzesentwurf hat besonders Transgender irritiert: Ihm zufolge hätten Transfrauen erst dann auch Damen-Toiletten benutzen dürfen, wenn ihr Geschlecht auch amtlich angepasst ist. Wie lächerlich dieser Vorschlag konservativer Senatoren war, zeigte die 23-jährige Brae Carney mit einer beeindruckenden Fotoserie: Die Fotos zeigen sie, äußerlich eine Frau, in Männertoiletten.

Die Situation sei für alle Beteiligten unangenehm, führt sie weiter aus: Für die Männer, die auf der Toilette sind und sie als Frau sehen, und für sie, die sich fehl am Platz fühlt.

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