[Rückblick] Andreas Gabalier, ein kaum bemerktes Outing und ein Homophober mit blutiger Nase

Juli: Müllermilch und die Homophobie

Gleich zwei der meistgelesenen Artikel im Juli beschäftigen sich mit jemandem, der im zu Ende gehenden Jahr mehrmals aufgefallen ist: Andreas Gabalier, selbsternannter Volks-Rock’n’Roller und Werbe-Testimonial für den deutschen „Müllermilch“-Konzern.

Dass dieser bei der Verleihung des größten österreichischen Musikpreises, den „Amadeus Austrian Music Awards“, meinte, man habe es als Musiker „nicht leicht auf dieser Welt, wenn man als Manderl noch auf ein Weiberl steht“, sorgte für Aufregung – auch, als er diese Ansicht mehrfach wiederholte, zum Beispiel auf Facebook oder in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“.

Gabalier will Kinder vor Homosexuellen schützen

In einem Interview mit dem „Münchner Merkur“ geht Gabalier sogar einen Schritt weiter: Er findet, Lesben und Schwule sollten „diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit austreten“ – und zwar „aus Respekt unseren kleinen Kindern gegenüber. Die sollten sich doch ihr eigenes Bild von Sexualität machen, wenn sie alt genug sind. Und nicht unbedingt auf dem Weg in den Kindergarten die Pudelnackerten auf den großen Plakatwänden sehen.“

Er selbst habe kein Problem mit Lesben und Schwulen, betont der Sänger in dem Interview. „Ich kenne sogar drei schwule Pärchen, zwei beim Fernsehen, eins privat“, so Gabalier.

„Er passt hervorragend zu unserer Marke“

Diese Aussagen sind der Großmolkerei, die mit dem gebürtigen Steirer wirbt, offenbar egal. „Wir freuen uns sehr, Andreas Gabalier als Markenbotschafter gewonnen zu haben. Er passt hervorragend zu unserer Marke“, antwortete die Pressestelle dem „Nollendorfblog“ von Johannes Kram auf dessen Anfrage. Seine Äußerungen bewegten sich „nicht außerhalb des rechtlichen Rahmen“.

LGBT-Aktivisten riefen daraufhin zu einem Boykott der Produkte der Müller-Gruppe auf. Zu dieser gehören unter anderem auch die Marken Weihenstephan, Nordsee, die Homann-Gruppe oder Sachsenmilch. Auch für einige Handelsketten produziert Müller, erkennbar sind die Produkte beispielsweise an den Veterinärkontrollnummern SN 016 und BY 718.

Junger Schwuler in München verprügelt

Ebenfalls für Aufregung sorgte im Juli ein Hassverbrechen im Umfeld des CSD in München. Der 18-jährige Marcel Rohrlack, seit Jänner Sprecher der Grünen Jugend München, und sein 28-jähriger Freund wurden auf dem Weg von der Parade nach Hause von einer Gruppe junger Männer angegriffen und verprügelt.

Gestört haben sich die Burschen offenbar am Outfit des Paares. Beide trugen Drag und Stöckelschuhe: Rohrlack in einem weißem, sein Freund in einem rotem Kleid. Einer der Männer schlug dem Jungpolitiker mit der Faust in das Gesicht. Dessen Sonnenbrille zersplitterte, dadurch erlitt er eine Schnittverletzung, die genäht werden musste. Sein Freund verfolgte die Angreifer zunächst und rief die Polizei.

Die Täter sind flüchtig. Bei der Polizei liegt eine Anzeige Rohrlacks gegen Unbekannt vor. Auf Facebook macht der Jungpolitiker klar: „Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Be proud!“

August: Schwuler Student erzählt von seiner Flucht vor dem IS

Im August bewegte die Geschichte eines schwulen Studenten die Leser von GGG.at: Der BBC erzählte der 24-Jährige Taim aus dem Irak, wie eine unbedachte Äußerung eines Freundes sein Leben zerstörte: Nachdem ein Ex-Kumpel, der sich später dem IS angeschlossen hat, von seiner sexuellen Orientierung erfuhr, verprügelten er und seine Freunde ihn. Später wollten sie ihn von zu Hause abholen, um ihn zu töten.

Besonders tragisch: Sein eigener Vater hätte Taim den Terroristen ausgeliefert, weil er schwul ist. Nur das beherzte Eingreifen seiner Mutter rettete dem jungen Mann das Leben. Sie half ihm bei der Flucht, die ihn letztendlich in den Libanon führte.

Facelift für PlanetRomeo

Doch auch positive Nachrichten haben unsere Leser interessiert. Ebenfalls unter den Favoriten im August war unser Beitrag über die neue Beta-Version der beliebten schwulen Dating-Plattform PlanetRomeo. Mittlerweile hat die Beta-Version der Seite ein paar zusätzliche Funktionen dazubekommen, und in Kürze wird sie die in die Jahre gekommenen bekannten „blauen Seiten“ ablösen.

Homophober Mann holt sich in New York eine blutige Nase

Ebenfalls oft geteilt wurde der Artikel über einen homophoben New Yorker, der sich zum Stänkern und Prügeln offenbar die Falschen ausgesucht hat. Denn Larry und Daniel Lennox-Choate sind das erste offen schwule Paar, das gemeinsam die renommierte Militärakademie von West Point abgeschlossen hat.

„Er ist abgehauen, in seinem eigenen Blut, seinen Schwanz eingezogen, nachdem ich die Situation geklärt hatte und ihn von der Straße vertrieben habe wie einen feigen Loser, der er auch ist“, beschreibt Larry den Vorfall auf Facebook. Er macht klar: „Wir weigern uns, Opfer zu sein und sind froh, uns selbst verteidigen zu können, aber es macht uns traurig, dass Idioten wie dieser Typ das nächste Mal keine zwei Typen erwischen, die in der Ausbildung Straßenboxen trainiert haben.“

September: Hotel soll Bettwäsche von HIV-positivem Gast verbrennen

Im September regte die Leser von GGG.at die fehlende Gastfreundschaft in einem Ort in Zypern auf: Als ein Hotel erfuhr, dass ein britischer Gast HIV-positiv war, warf es ihn aus dem Haus. Geoutet wurde er von einer Klinik, bei der er leichte Verletzungen versorgen ließ.

Diese gab dem Hotel auch einige zweifelhafte Ratschläge: Sie empfahl dem Bewerbungsbetrieb, seine „Bettwäsche zu verbrennen und den Raum zu desinfizieren“. Auch sämtliche anderen Hotels in der Region weigerten sich, den Briten aufzunehmen. Der Fall wurde vom zypriotischen Gesundheitsministerium, die Ärztekammer und das Fremdenverkehrsamt untersucht.

Sam Stanley zeigt der Welt seinen Freund – und niemand sieht ihn

Eine bessere Nachricht war das Coming Out des englischen Rugby-Spielers Sam Stanley. Der 23-Jährige hatte Ende August gegenüber der „Sunday Times“ erstmals über seine Homosexualität gesprochen. „Es wird ein Thema sein, bis sich mehr Menschen und Athleten outen, bis es kein Thema mehr ist. Das kann Jahre dauern, aber hoffentlich werden viele Menschen diesen Mut finden“, so Stanley.

Dabei machte er selbst aus seiner Homosexualität kein Geheimnis: Schon zwei Monate vor dem Interview postete er auf Instagram Fotos, die ihn in trauter Zweisamkeit mit seinem Partner Laurence Hicks zeigten. Auch, dass er Hicks auf den Bildern als seinen Mann oder „andere Hälfte“ bezeichnete, fiel der Rugby-Welt offenbar nicht auf.

Ein Jahr Haft für schwulen Studenten in Tunesien

Oft geteilt wurde im September auch der Artikel über einen Studenten in Tunesien, der wegen seiner Homosexualität zu einem Jahr Haft verurteilt wurde. Verhaftet wurde der Mann Anfang September, weil seine Telefonnummer im Handy eines Mordopfers gefunden wurde. Mit dem Mord hatte er nichts zu tun – in Haft blieb er aber trotzdem.

Denn auch einvernehmliche homosexuelle Handlungen können in Tunesien mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Der Student musste sich gegen seinen Willen einer analen Untersuchung unterziehen und durfte seinen Anwalt erst nach fast einer Woche kontaktieren.