Freiburg: Homophobe Gewalttaten zu Silvester

In Freiburg, einer sonst sehr beschaulichen Stadt im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet, gab es in der Silvesternacht zwei Attacken mit homophobem Hintergrund: Ein Männerpaar wurde geschlagen, als es eine Bar verlassen wurde, und eine stadtbekannte Dragqueen wurde beschimpft und verletzt.

Beschimpft, aus dem Lokal gezerrt und verprügelt

Der erste Vorfall ereignete sich im „Bartasia“ in der Kaiser-Joseph-Straße. Das Lokal ist eine Mischung aus Bar, Restaurant und Club. Als Gerhard und Hurama, ein schwules Ehepaar, das Lokal gegen halb drei verlassen wollten, soll ein Fremder Hurama als „Schwuchtel“ beschimpft und ihm ohne Vorwarnung ins Gesicht geschlagen haben. Das berichtet ein Begleiter der Männer.

Es kam zu einer Schlägerei, und wie das Ehepaar der Online-Ausgabe des Magazins „Männer“ sagte, gingen Securities auf das Paar los und zerrten es nach draußen. Fotos, die der Zeuge mit seinem Smartphone gemacht hat, zeigen, wie sich das Ehepaar, das seit sechs Jahren zusammen und seit vier Jahren verpartnert ist, gegen mehrere Männer verteidigen muss.

Geschäftsführer beschuldigt eines der Opfer

Unter den Schlägern soll auch ein Kellner des „Bartasia“ gewesen sein, so Gerhard gegenüber „Männer“. „Er hat sie getrennt“, erklärt der Geschäftsführer das Eingreifen des Türstehers hingegen dem Regionalportal „Fudder“. Die anderen Personen auf den Fotos kenne er nicht.

Gerhard sei extrem betrunken gewesen und habe sich „aggressiv” verhalten, heißt es auf der Stellungnahme des Lokals auf Facebook. Er sei „extrem schnell handgreiflich” geworden, so da „Bartasia“ weiter. Außerdem behandle man jeden Gast gleich, betont das Lokal: „Von schwul oder nicht schwul haben wir von unserer Seite zu diesem Zeitpunkt gar nichts mitbekommen.“

Eines der Opfer muss operiert werden

Dieser Darstellung widerspricht der Zeuge. Gerhard soll wiederholt nach der Polizei gerufen haben – doch niemand hat die Beamten gerufen. Auch sonst soll niemand dem schwulen Paar geholfen haben, an dieser Neujahrsnacht in Freiburg.

Das Paar erstatten Anzeige bei der Polizei in Freiburg, dann fahren sie ins Krankenhaus. Dort werden die beiden Männer versorgt: Bei Gerhard werden blaue Flecken und eine aufgeplatzte Lippe festgestellt, sein Partner Hurama ist nicht so glimpflich davongekommen. Sein Augenhöhlenknochen wurde bei dem Angriff gebrochen. Weil er auf den New drückt, muss er heute operiert werden.

Dragqueen beschimpft und attackiert

Gegen 7.30 Uhr ereignet sich nur wenige hundert Meter weiter am Bertoldsbrunnen der zweite homophobe Vorfall in der beschaulichen badischen Stadt: Dragqeen Betty BBQ war gerade auf dem Weg nach Hause, als sie ein unbekannter Mann belästigte.

„Scheiß schwule Transe, ich box’ dich weg“, soll er ihr zugerufen haben.

Außerdem soll er einem ihrer Begleiter ins Gesicht geschlagen haben, als dieser sie schützen wollte. „Nur dem Eingreifen von Freunden ist zu verdanken, dass mir nichts Schlimmes geschehen ist“, erklärte sie gegenüber dem schwulen Newsportal „queer.de“. Auch hier haben die Opfer Anzeige bei der Polizei erstattet, wegen Körperverletzung und Beleidigung auf sexueller Grundlage.

Viel Gewalt zu Silvester: Demo gegen Homophobie am Freitag

Noch nie habe es in der Silvesternacht in Freiburg so viele gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, heißt es seitens der Polizei. Insgesamt wurden 38 Übergriffe in der Stadt angezeigt, es gab mehr als 500 Notrufe. Nach den beiden Vorfällen ist für Freitag in Freiburg eine Demonstration gegen Homophobie geplant. Sie beginnt um 18.00 Uhr am Stadttheater.

Zeugen der Gewalttaten in Freiburg werden gebeten, sich beim Polizeipräsidium unter +49/0761/882-0 zu melden.