Home News Chronik Mord in Berliner Klosterruine: Angeklagter legt Teilgeständnis ab

Mord in Berliner Klosterruine: Angeklagter legt Teilgeständnis ab

Justitia
Symbolbild - Fotolia

Ein Teilgeständnis gibt es im Mordfall Yosi D.: Der 22-jährige Israeli war am Ostersonntag 2015 Ruine des Franziskaner-Klosters an der Klosterstraße nahe dem Alexanderplatz tot aufgefunden worden. Sechs Tage später wurde der Täter in Tschechien verhaftet: Fation D., ein 28-jähriger Albaner, der in den USA aufgewachsen ist. Nun hat er ein Teilgeständnis abgelegt – das aber einige wichtige Fragen offenlägest. Zum Beispiel, ob Yosi D. sterben musste, weil er schwul war.

Zunächst freundeten sich die beiden Männer an

Es ist der zweite Verhandlungstag am Mittwoch, an dem der Anwalt von Fation D. etwas Wichtiges zu verkünden hat: Nämlich die Version des Angeklagten von jenem Samstag, an dem die Bluttat geschehen ist.

Vieles davon ist bekannt. Der Israeli und der Albaner lernten sich in einem Hostel in der Karl-Liebknecht-Straße kennen, teilten sich zufälligerweise ein Zimmer. Yosi D. war als Tourist in der Stadt, Fation D. hatte ein Vorstellungsgespräch als Koch im Hard Rock Cafe. Gemeinsam raucht, kifft und säuft man.

Am Tattag sollen sich die beiden Männer zu Mittag wieder im Hostel getroffen haben. „Dem Israeli ging es nicht gut“, erinnert sich Fation D. in seinem Geständnis. „Er sagte er müsse auschecken, weil er kein Geld mehr habe. Wir gingen dann zum Alex und ich kaufte ihm zwei Hot Dogs, damit er etwas zu essen bekommt.“

Sie tranken gemeinsam, bevor das Unglück seinen Lauf nahm

Es folgten Bier und Cognac auf dem Alexanderplatz, dann fragte Yosi D., ob sein Kumpel auch Jägermeister trinke. Nach einer halben Stunde kam er mit einer großen Flasche des Likörs, die beiden Männer gingen auf das Gelände der Klosterruine und tranken dort.

Als der Alkohol ausgetrunken war, begann das Unglück seinen Lauf zu nehmen. Yosi D. soll den Angeklagten aufgefordert haben, ihn in einer Kneipe zum Weitertrinken einzuladen. Doch Fation D. lehnt ab. Dann habe ihn der 22-Jährige „merkwürdig angestarrt“ und sei ihm an den Hals gegangen, so der gebürtige Albaner in seinem schriftlichen Geständnis.

Er habe sich nur mit einem Wrestlinggriff gewehrt, betont der 28-jährige. An seiner US-Highschool war er im Wrestling-Team, erklärt er. Doch plötzlich lag Yosi D. da, verdreht und regungslos. „Als ich ihn so liegen sah, fiel ich wie in eine Art Schockzustand und wachte erst auf der Verkehrsinsel einer belebten Straße wieder auf“, erklärt Fation D. in seinem Geständnis.

Das Geständnis des Angeklagten ist nur die halbe Wahrheit

Doch die Spuren machen klar: Dieses Geständnis ist nur die halbe Wahrheit. Denn als die Leiche am Ostersonntag entdeckt wurde, zeigt sie Spuren, die nicht nur von einem Unfall bei einer Rangelei stammen können: Die Leiche des 22-jährigen Yosi D. war verstümmelt. Wie besinnungslos musste der Täter auf den Touristen aus Israel eingetreten haben. Unterkiefer und das Jochbein waren gebrochen. Für solche Verletzungen seien massive Tritte oder Sprünge auf den Kopf notwendig – und nicht nur ein Wrestling-Griff, erklärt eine Pathologin vor Gericht.

Warum hatte Fation D. so viel Hass auf den 22-jährigen Israeli? War es die Tatsache, dass er schwul war? In Telefonaten mit seinem Cousin in der tschechischen Stadt Ústí nad Labem, zu dem er nach dem Mord geflüchtet war, hat er das immer wieder thematisiert: Er sei kurz davor, „den Schwulen“ aus dem fünften Stock zu werfen, soll er ihm am Telefon gesagt haben. Nach der Tag sagte der Angeklagte seinem Cousin, er habe den jungen Mann „zu Gott geschickt“.

Die ganze Wahrheit ist also weiter unklar – im weiteren Laufe des Prozesses könnte sie ans Tageslicht kommen. Mit dem Geständnis reduziert Fation D. auf jeden Fall das Strafmaß: Die Strafkammer hat ihm bei einem Geständnis eine Höchststrafe von zehn Jahren wegen Totschlags in Aussicht gestellt. Wenn er vermindert schuldfähig ist, könnte die Strafe weiter reduziert werden.

Ein Urteil wird für Ende Jänner erwartet.

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