Verbotene Liebe: Vier Jahre Haft für Traiskirchner Ex-Pfarrer

Ein Pfarrer aus dem südlichen Niederösterreich muss wegen sexuellen Missbrauchs für vier Jahre ins Gefängnis. Damit hat das Oberlandesgericht (OLG) Wien die ursprüngliche Strafe um vier Monate erhöht. Der Priester soll einen heute 26-jährigen Mann mit Betäubungsmitteln mehrmals sexuell gefügig gemacht haben. Er bestreitet die Vorwürfe bis heute.

In erster Instanz wurde Fabian V., ehemaliger Pfarrer von Traiskirchen, im November 2013 schuldig gesprochen. Doch die Vorwürfe wollte der 49-Jährige nicht auf sich sitzen lassen: Die schwule Beziehung sei einvernehmlich gewesen, es war auch keine Gewalt im Spiel, betont Pater Fabian. Er ging in Berufung.

Enges Verhältnis der beiden Männer war ein offenes Geheimnis

Denn das enge Verhältnis zum erwachsenen Sohn einer befreundeten Familie galt in der Stadt als offenes Geheimnis. Er habe das spätere Opfer auch in Costa Rica besucht, als es dort studiert habe. Als die Vorwürfe erstmals laut wurden, sammelte die Pfarrgemeinde in Traiskirchen sogar Unterschriften für ihren beliebten Pater, berichtet der „Kurier“.

Doch im Juli 2015 verurteilte ihn auch das Landesgericht Wiener Neustadt in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Erneut ging der Geistliche in Berufung – und auch das OLG Wien sprach ihn schuldig. Weiters erhöhte es die Strafe auf vier Jahre Haft: Aus Gründen der Generalprävention, da sich sexuelle Übergriffe von kirchlichen Würdenträgern häuften.

Anwalt will Wiederaufnahme – und hat Zeugen

„Das war eine Privatangelegenheit und hat mit seiner Funktion als Pfarrer nichts zu tun. Daher ist auch die Begründung der Generalprävention ein Witz“, ärgert sich Michael Dohr, der Anwalt des Pfarrers. Deshalb möchte Pater Fabian weiter seine Unschuld beweisen.

Sein Anwalt hat einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens eingebracht. Neue Zeugen würden die Version des Verurteilten stützen, so der Rechtsvertreter: Er habe die notariell beglaubigte Aussage von Zeugen, die den Pater und sein Opfer in München beim Schmusen und Austausch von Zärtlichkeiten gesehen haben.

Welche Rolle spielen die Eltern des Opfers?

Wie der Pfarrer berichtet, wollte der junge Mann keine Anzeige erstatten, wurde aber offenbar von seinem streng konservativen Elternhaus dazu gezwungen. Dort habe sein Partner nicht zu seiner Homosexualität stehen können, so Pater Fabian. Der 26-Jährige habe dem Geistlichen kurz vor der Anzeige die Beziehung und Freundschaft zu dem Geistlichen beendet und ihm gesagt, dass er fortan mit einer Frau ausgehen werde.