Berliner Erzbischof Heiner Koch besucht LGBT-Flüchtlinge

In Berlin hat Erzbischof Heiner Koch am Donnerstag im Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule des LSVD Berlin-Brandenburg (MILES) mit LGBT-Flüchtlingen gesprochen. Dabei war er erschüttert über deren körperliches und seelisches Leid.

„Es waren sehr bedrückende, sehr erschreckende Dinge, die ich erfahren habe“, zitiert der „Tagesspiegel“ den Erzbischof. Bei Diskriminierung und Übergriffen erfahre ein Flüchtling, „dass die Würde des Menschen doch nicht unantastbar ist“. Koch kündigte an, in Gesprächen mit Politikern „solche Dinge zu einem Thema machen“ zu wollen.

Auf das Problem der LGBT-Flüchtlinge wurde Koch erstmals bei seiner Einführungsmesse in Berlin im September 2015 aufmerksam. „Ein Flüchtling hatte mich nach der Messe angesprochen und erklärt, er würde sich gerne aufgrund seiner sexuellen Orientierung mit mir unterhalten“, erklärte der Erzbischof.

In Zahlen gegossen hat der LSVD das Leid dieser Menschen: Demnach wandten sich allein von August bis Dezember 2015 in Berlin 95 LGBT-Flüchtlinge wegen gewaltsamen Übergriffen an den LSVD, die meisten von ihnen schwule Männer. Insgesamt hat MILES im letzten Jahr fast 1.500 queere Flüchtlinge in Berlin beraten.

Doch nicht nur mit der Politik will der Berliner Erzbischof über dieses Thema reden: Im „Domradio“ kündigte er an, sich mit dem Caritasverband seiner Erzdiözese anzuschauen, „was wir da tun können und tun müssen“: Die zuständigen Mitarbeiter sollen auf die Schwierigkeiten von LGBT-Flüchtlingen sensibilisiert werden.

Und auch die Gläubigen sollen sich um die Betroffenen annehmen: Es sei ihm wichtig, „dass wir in unseren Gemeinden Menschen finden, die diese Flüchtlinge mit ihrer sexuellen Prägung herzlich annehmen. Menschen, bei denen sie sich wohlfühlen“, so Koch weiter.

Damit hat der Berliner Erzbischof in seiner Meinung zu sexuellen Minderheiten wohl einen kleinen Wandel vollzogen: Noch im September bezeichnete er Homosexualität als „beschränkt“ und „nicht gelungen“.