Russischer Patriarch lobt IS-Terroristen und warnt vor Homosexuellen

Verständnis mit den Aktivisten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zeigt Patriarch Kyrill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, in seinem Weihnachts-Interview. In dem Gespräch, das am 7. Jänner im russischen Staatssender Rossija 1 ausgestrahlt wurde, nannte er den Terrorismus eine Antwort auf eine gottlose Gesellschaft, die Lesben- und Schwulenparaden veranstalte.

Christen würden in Frankreich unterdrückt werden

Denn Christen würden auch in Europa unterdrückt werden, beklagte Kyrill: „Während Paraden für sexuelle Minderheiten unterstützt werden, werden eine Million französische christliche Demonstranten, die Familienwerte verteidigen, von der Polizei bekämpft. Wenn man nicht-traditionelle Beziehungen eine Sünde nennt, wie es die Bibel lehrt, oder man Priester ist, riskiert man nicht nur die Möglichkeit zu dienen, sondern sogar das Gefängnis“, so das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche. Dies seien „erschreckende Beispiele“ einer „gottlosen Zivilisation“, warnt Patriarch Kyrill.

Auch „ehrliche Menschen“ unter IS-Terroristen?

Toleranter ist der Geistliche hingegen, wenn es um Terroristen geht: Zwar seien Anschläge und Morde eine Sünde, allerdings gebe es unter den IS-Anhängern auch „ehrliche Menschen“, die sich „ausschließlich aus religiösen Gründen“ der Terrormiliz angeschlossen haben, gibt sich der Geistliche milde.

Der Errichtung eines „Kalifats“, den die IS anstrebt, kann Kyrill sogar etwas Positives abgewinnen: „Nun, was ist ein Kalifat? Es ist eine Gesellschaft, die auf Glaube und Gott beruht und in der Menschen religiösen Gesetzen folgen. Man schafft eine neue Gesellschaft, die sich abhebt von der gottlosen, säkularen, ja sogar radikal-säkularen Gegenwart“, schwärmt der Priester nahezu von dem Terroristenstaat.

Worte des Bischofs führen zu Gewalt

Entsetzen über diese Äußerungen gibt es bei gläubigen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen in Russland. Doch überraschend kommen sie nicht, erklärt Waleri Sozaew, Gründer der Organisation „Nuntiare et Recreare“: „Es gibt Kräfte in der russisch-orthodoxen Kirche, die wenn nicht Terroristen, zumindest Extremisten genannt werden können. Mit Unterstützung der Kirche nehmen sie an gewalttätigen Übergriffen auf die russische LGBT-Community teil und sie begründen ihre Taten mit denselben Worten, die wir von Patriarch Kyrill gehört haben“, erklärt er.

Denn seit der Patriarch im Jahr 2009 die russisch-orthodoxe Kirche leitet, hat er schon mehrmals gegen sexuelle Minderheiten gehetzt. So befürwortet er das Gesetz gegen „Homo-Propaganda“ und nannte die Moscow Pride eine „aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht“. Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in westlichen Ländern bezeichnete er im Juli 2013 als Anzeichen für den bevorstehenden Weltuntergang – und rief auf, alles zu tun, um im „Heiligen Russland“ eine Gleichstellung zu verhindern.