Saudi-Arabien: Religionspolizei verhaftet vier schwule Männer

In der saudiarabischen Hauptstadt Riad sollen am Wochenende vier Männer von der berüchtigten Religionspolizei verhaftet worden sein, weil sie schwul sind. Das melden lokale Medien.

Falsche Brüste, Alkohol und eine Homo-Hochzeit

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung sollen die Beamten der Polizei, die offiziell „Behörde für die Verbreitung von Tugendhaftigkeit und Verhinderung von Lastern“ heißt, in der Wohnung der Männer eine Razzia durchgeführt und die Beschuldigten verhaftet haben. Die Männer sollen Medienberichten zufolge zugegeben haben, als „verheiratete Paare“ zusammengelebt und wenige Tage zuvor „geheiratet“ zu haben.

Weiters wurden in der Wohnung „falsche Brüste“ gefunden und Alkohol, der in dem streng islamischen Land verboten ist. Auf den Handys der Festgenommenen fand die Religionspolizei demnach Fotos und Videos der Zeremonie, auf denen auch Männer mit Frauenkleidern und Make-up zu sehen sind.

Höchststrafe für Homosexualität: Enthauptung

Homosexualität – und damit auch jede Form der Ehe oder eingetragenen Partnerschaft – sind in Saudi-Arabien illegal. Sie wird als „unzüchtiges Verhalten“ verfolgt, im schlimmsten Fall droht den Betroffenen die Todesstrafe durch öffentliche Enthauptung.

Offiziellen Informationen zufolge werde diese aber nur an Menschen exekutiert, die sich auch des Kindesmissbrauchs, des sexuellen Missbrauchs oder eines Mordes schuldig gemacht hätten. Unabhängige Bestätigungen, on das auch der Wahrheit entspricht, gibt es nicht. Allerdings hat die britische Tageszeitung „The Guardian“ im Jahr 2010 recherchiert, dass es die letzte Hinrichtung wegen Homosexualität im Jahr 2001 gegeben haben soll. Im Jahr 2013 wurde ein Mann aus dem Jemen hingerichtet, der einen Mann vergewaltigt, ermordet und ausgeraubt haben soll.

Repressalien für Homosexuelle an der Tagesordnung

Dass ihnen keine Todesstrafe droht, macht das Leben für schwule Männer in Saudi-Arabien aber nicht einfacher: Immer wieder gibt es Razzien und Haftstrafen. Verantwortlich dafür ist die Religionspolizei. Diese 3.500 Mann starke Behörde überwacht unter anderem, ob sich Frauen in der Öffentlichkeit ausreichend verschleiern. Ach haben sie das Recht, in Wohnungen einzudringen. Denn Privatsphäre ist in Saudi-Arabien kein Grundrecht. In der Bevölkerung ist die Einheit gefürchtet.