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Mehr Verbrechen gegen Lesben und Schwule in Berlin

Zahl der gemeldeten Verbrechen ist um mehr als ein Drittel gestiegen

Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

Die Hasskriminalität gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender ist im letzten Jahr in Berlin deutlich gestiegen. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik der deutschen Bundeshauptstadt hervor. Weiters ging die Aufklärungsquote dieser Verbrechen spürbar zurück.

So gab es bei der politisch motivierten Kriminalität in Berlin im Unterbereich „sexuelle Orientierung“ im Jahr 2015 insgesamt 105 angezeigte Fälle. Das sind um 25 mehr als im Jahr zuvor und entspricht einem Anstieg von mehr als einem Drittel. Eine Schätzung, wie hoch die Dunkelziffer sein dürfte, gibt es nicht.

Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein

Das weiß auch die Polizei: „Neben dem tatsächlichen Fallaufkommen spielen vor allem die Anzeigenbereitschaft der Opfer bzw. Geschädigten sowie möglicher Zeugen eine wichtige Rolle“, heißt es im Bericht. Das Anti-Gewalt-Projekt Maneo zählte im gleichen Zeitraum 259 Fälle mit homo- oder transphobem Hintergrund, zählt aber auch strafrechtlich nicht relevante Beschimpfungen.

Besonders hoch war die Anzahl der gemeldeten Fälle dort, wo Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender auch besonders sichtbar sind: Die meisten Anzeigen gab es in den Bezirken Mitte mit 27, Tempelhof-Schöneberg mit 23 und Friedrichshain-Kreuzberg mit 16. Von den gemeldeten Fällen waren 38 Taten Gewaltdelikte, im Jahr zuvor waren es noch 26 Fälle – ein Anstieg von fast 50 Prozent.

Aufklärungsquote ist gesunken

Besonders bedenklich: In den letzten zehn Jahren gab es nur zwei Mal, in den Jahren 2010 und 2013, mehr angezeigte Hass-Delikte gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Im Gegenzug nahm die Aufklärungsquote der gemeldeten Straftaten ab: Sie lag im letzten Jahr bei 42 Prozent, im Jahr zuvor konnten noch 55 Prozent der Täter ermittelt werden.

Insgesamt 85 Prozent der Tatverdächtigen waren übrigens männlich, bei Gewaltverbrechen betrug diese Zahl sogar 94 Prozent. Und auch bei den Opfern gibt es einen deutlichen Überhang: So wurden 40 Männer zu Opfern, weil sie homosexuell waren oder dafür gehalten wurden, aber nur sieben Frauen.

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