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Syphilis: Starker Anstieg unter schwulen Männern

Vor allem unter schwulen Männern breitet sich die Infektion in Deutschland weiter aus

CDC

Die Zahl der jährlich gemeldeten Syphilis-Fälle in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Das geht aus dem „Infektionsepidemiologischen Jahrbuch“ hervor, das jetzt vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht wurde. Der überwiegende Teil der Fälle betrifft Sex zwischen Männern, die hauptverantwortlich für den Anstieg sind. „Syphilis-Hauptstadt“ ist Berlin.

Zahlen haben sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt

So wurden im Jahr 2015 insgesamt 6.834 Syphilis-Fälle in Deutschland gemeldet. Das sind im Vergleich zu 2010 um 125 Prozent mehr gemeldete Infektionen, im Vergleich zum Vorjahr liegt der Anstieg bei 19 Prozent oder 1.108 Infektionen. 94 von 100 der Betroffenen waren Männer.

„Hauptstadt“ der Syphilis-Infektionen in Deutschland ist Berlin. Pro 100.000 Einwohner wurden in der deutschen Hauptstadt 39 Fälle gemeldet. Besonders betroffen waren laut RKI die „innerstädtischen Bezirke“. In Köln waren es 36, in München und Frankfurt 30, in Hamburg 21 gemeldete Infektionen. Die wenigsten Diagnosen gab es in Brandenburg mit 3,6 pro 100.000 Einwohner.

85 Prozent der Fälle betreffen schwule und bisexuelle Männer

In 85 Prozent der Fälle, bei denen der Übertragungsweg nachvollzogen werden konnte, wurde die Infektion beim Sex zwischen Männern übertragen, verglichen mit dem Vorjahr ein leichter Anstieg, so das RKI. Verglichen mit 2014 ist die Zahl in 12 von 16 deutschen Bundesländern angestiegen, besonders stark in Berlin: Wurden vor zwei Jahren 812 Syphilis-Fälle gemeldet, die auf Sex zwischen Männern zurückgingen, waren es letztes Jahr 1.064. In Hessen ist die Zahl um mehr als ein Drittel gestiegen, hohe Anstiege gab es auch in Nordrhein-Westfalen.

Angestiegen ist auch die Zahl jener Infektionen, die durch „Prostitutionskontakte“ zustande kam: Bei den Kunden um 25 Prozent auf 146 Fälle, bei den Sexarbeiterinnen und –arbeitern selbst um 24 Prozent auf 93 neu entdeckte Infektionen.

Überdurchschnittlich oft von einer Infektion betroffen sind 30- bis 39-Jährige mit 35 Infektionen pro 100.000 Einwohner, gefolgt von 25- bis 29-Jährigen mit 33 Infektionen und 40- bis 49-Jährige mit 30 gemeldeten Fällen pro 100.000 Einwohner.

Syphilis kann unbehandelt zum Tod führen

Syphilis wird durch das Bakterium Treponema pallidum hervorgerufen. Zu den ersten Symptomen zählen Geschwüre im Genitalbereich oder im Mund, die eine stark ansteckende Flüssigkeit absondern und unter Umständen gar nicht bemerkt werden. Weitere Symptome sind wiederkehrende grippeartige Beschwerden. Unbehandelt greift die Syphilis nach einigen Jahren innere Organe an, was unbehandelt zum Tod führen kann.

Eine Infektion kann relativ leicht durch Oral- oder Analverkehr verbreitet werden, Kondome bieten keinen sicheren Schutz. Eine Syphilis-Erkrankung erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, sich beim Sex mit HIV zu infizieren. Deswegen empfehlen die Aids-Hilfen, sich regelmäßig nicht nur auf HIV, sondern auch andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Syphilis untersuchen zu lassen. Rechtzeitig erkannt kann die Infektion mit ein bis zwei Penicillinspritzen normalerweise innerhalb weniger Wochen ohne bleibende Schäden geheilt werden.

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