Dienstag, 28. Mai 2024
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Indonesien verbietet Grindr – und 80 weitere Webseiten und Apps

Der Kulturkampf gegen LGBT in einem der bevölkerungsreichsten Länder der Erde geht weiter

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Indonesien will die Verwendung von schwulen Dating-Apps verbieten. Ein Regierungssprecher hat bestätigt, dass die Behörden eine Sperre von drei Apps – Grindr, Blued und BoyAhoy – nach einer Anfrage der Polizei bereits vorbereiten.

Wie das Portal BuzzFeed berichtet, fiel die Entscheidung am Mittwoch in einer vertraulichen Sitzung. Das Verbot dieser drei Apps könnte aber nur der Anfang sein. Insgesamt 80 Webseiten und Apps, die sich an sexuelle Minderheiten richten, könnten von einem Verbot betroffen sein. Eine Liste der betroffenen Medien gibt es nicht.

Apps wie Grindr verletzten „Kinderschutzgesetze“

Noor Iza, Sprecher des Kommunikationsministerium, bestätigt die Sperren: „Wir haben angefangen, LGBT-Apps zu blockieren“, erklärt er. Man wolle damit Dienste treffen, die „sexuelle Abweichungen bewerben“, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Die meisten Inhalte führen zu Pornografie und haben das Gesetz über Pornografie und das Kinderschutzgesetz verletzt“, ergänzt Aidil Chendramata, zuständiger Beamter im Ministerium, gegenüber „BuzzFeed“.

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Nach Angaben des Sprechers wurden bereits drei Internet-Provider aufgefordert, die betroffenen Apps zu sperren. Ob sie dieser Aufforderung nachgekommen sind, ist unklar. Auch Apple und Google sollen von der indonesischen Regierung aufgefordert worden sein, die betroffenen Dating-Apps aus ihren Stores zu entfernen. Beide Firmen haben das bis jetzt noch nicht öffentlich kommentiert.

„Hornet“-Chef: „Internet wird zum Werkzeug für Diktatoren“

Grindr hat sich zu der Sperre in Indonesien nicht geäußert. Sean Howell, Geschäftsführer der Dating-App „Hornet“, sagte zu „BuzzFeed“, Indonesien wäre das größte Land, das solche Apps verbietet. Bis jetzt haben einige Länder wie die Türkei Grindr und andere Apps verboten, in dieser Menge gibt es ein Verbot bis jetzt aber nur in Saudi-Arabien.

„Es gibt viele Gründe, warum das Verbot schrecklich ist“, erklärt Howell: „Wie viele andere islamische Staaten werden diesem Beispiel folgen? Anstatt einem Werkzeug zur Freiheit wird das Internet ein Werkzeug für Diktatoren-Staaten“, ärgert er sich.

Sexuelle Minderheiten sind im Fadenkreuz von Regierung, Islamisten und Bevölkerung

Auftrieb bekam das Verbot der schwulen Dating-Apps, nachdem ein Pädophilen-Ring aufgeflogen ist, der sich angeblich über Grindr organisiert hat. Menschenrechts-Aktivisten glauben allerdings, dass dies nur eine willkommene Begründung war, die Benutzung der Apps zu verbieten.

„Das Verbot von dem, was indonesische Behörden ‚LGBT-Apps‘ nennen, ist eine diskriminierende Online-Zensur, ganz einfach, und der nächste Schlag gegen die Rechte von LGBT-Personen in dem Land“, ärgert sich Phil Robertson, Verantwortlicher Direktor für Asien bei der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) gegenüber dem „Time“-Magazin.

Mit dem Verbot von schwulen Dating-Apps schränkt Indonesien die Rechte sexueller Minderheiten weiter ein. Zuvor forderte die indonesische Regierung Apple und Facebook unter anderem auf, gleichgeschlechtliche Emojis in dem südostasiatischen Staat zu sperren. Eine konservative Gruppe für Familienrechte hat beim Verfassungsgericht den Antrag eingebracht, Homosexualität in Indonesien wieder zu kriminalisieren.

Niemand wird in Indonesien weniger gemocht als LGBT

Einer aktuellen Umfrage hat gezeigt, dass keine Gruppe von den Muslimen in dem südostasiatischen Land so sehr gehasst wird wie LGBT – noch vor Kommunisten und Juden. „Das ist seltsam, weil normalerweise sind es Kommunisten und Juden, die die Spitzenpositionen als am meisten gehasste Gruppen bei Muslims einnehmen“, wundert sich auch Aryo Ardi Nugroho von der gemäßigt-islamischen Wahid Foundation, einer der an der Umfrage beteiligten Organisationen.

Homosexualität ist in Indonesien derzeit gesetzlich nicht verboten. In dem konservativ islamisch dominierten Land gelten gleichgeschlechtliche Handlungen aber als „sexuelle Abweichungen“ und waren – bis vor kurzem – vor allem gesellschaftlich geächtet. Für HRW war 2016 ein Jahr, in dem „eine Kombination aus Regierungsbeamten, militanten Islamisten und religiöse Massenbewegungen Intoleranz gegen LGBT geschürt haben.“