Besteht Westeuropa für Russland aus schwulen Schweinen im Lager?

Karikatur soll Russlands Stärke zeigen - und den Blick vor den wahren Problemen im Land vernebeln.

Russische Flagge
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Nicht besonders diplomatisch war ein Bild, das die russische Botschaft in London über Twitter verbreitet hat. Westeuropäer werden dort als homosexuelle Sparschweine gezeigt, die in einem KZ-ähnlichen Verschlag hausen müssen.

LGBT-Rechte für Russland ein Verfall der Zivilisation

Immer wieder lacht die Präsident Wladimir Putin treue Öffentlichkeit darüber, das sexuelle Minderheiten in Europa geschützt sind und entsprechende Rechte haben. So auch in einer Karikatur, die über die den Twitter-Account der Botschaft im Vereinigten Königreich verbreitet wurde.

Sie zeigt Russland als starken Bären, der seine Muskeln spielen lässt – im Gegensatz zu Westeuropa: Das wird als eine Horde eingepferchter Sparschweine dargestellt. Über dem Tor die Aufschrift „Euro-Zone“ – im gleichen Stil, in dem die Nationalsozialisten ihr sarkastisches Schild „Arbeit macht frei“ über dem Konzentrationslager Auschwitz montiert haben. Aus dem Lager weht eine Regenbogenflagge – als deutliches Zeichen: Hier ist der Verfall traditioneller Werte zu Hause.

Zusätzlich zu dem Bild hat die russische Botschaft noch einen Text verbreitet: „Wenn Russland am absteigenden Ast ist, warum Angst haben? Vielleicht, weil die echte Angst der Untergang des Westens ist und wir Dinge besser machen?“ Unter ihren Fans hat die Botschaft damit einen Nerv getroffen. Etwa je 1.200 User haben das Bild favorisiert und retweetet.

Propaganda, um von der Dauerkrise abzulenken

Doch was die russische Botschaft damit genau meint, hat sie nicht erklärt. Wirtschaftliche Stärke kann es nicht sein. Kostete ein Dollar im Mai 2012 noch 30 Rubel, sind es heute bereits 62 Rubel. Wachstumseinbruch, niedriger Ölpreis und Sanktionen sorgen für ein Bündel an Problemen.

Und während das russische Wirtschaftsministerium Anfang August stolz verkündete, der BIP-Verfall sei „praktisch zum Stehen gekommen“, war die Moskauer Higher School of Economics nicht so optimistisch. Sie legte Zahlen vor, nach denen die zeitweise gebildete Talsohle im BIP inzwischen um weitere 1,4 Prozent nach unten durchbrochen wurde. Damit bestehe das Risiko, dass die Rezession nicht nur das laufende, sondern auch das nächste Jahr anhalte, so die Wirtschaftsexperten. Bestätigt werden sie dabei vom jüngsten Einkaufsmanagerindex.

So bleibt offenbar nur Propaganda, um von den tristen Zuständen in Putins Reich abzulenken. Leidtragende sind dabei einmal mehr sexuelle Minderheiten.