Homophober Fundamentalist wird Bürgermeister von Rio

Der evangelikale Ex-Priester Marcelo Crivella bezeichnete Homosexuelle als Opfer eines „schrecklichen Übels“

Marcelo Crivella
André Corrêa/Senado Federal

Die brasilianische Millionenstadt Rio de Janeiro bekommt einen lesben- und schwulenfeindlichen Bürgermeister. Bei der Stichwahl am Sonntag kam der Senator und frühere evangelikale Gospelsänger Marcelo Crivella von der konservativen Republikanischen Partei PRB auf fast 60 Prozent der Stimmen. Er tritt sein Amt am 1. Jänner an.

Crivella löst Eduardo Paes von der konservativen Regierungspartei PMDB ab, der die zweitgrößte Stadt Brasiliens acht Jahre lang regierte. Er gehört der von seinem Onkel gegründeten „Igreja Universal do Reino de Deus“ („Universelle Kirche des Königreichs Gottes“) an. Diese konservativ-evangelikale Kirche ist nicht nur wegen ihrer religiösen Ansichten umstritten.

Erzkonservative Kirche des Bürgermeisters wird geführt wie eine Firma

So wird sie auch des Drogenhandels, der Steuerhinterziehung und der Geldwäsche verdächtigt. Auch sollen die Funktionäre der Kirche Geld für die Armen veruntreut und in die eigene Tasche umgeleitet haben. Die Kirche arbeite „nach der Logik eines Wirtschaftsunternehmens, das seine Marktmacht unter anderem über zahlreiche Medienkanäle kontinuierlich expandiert“, heißt es in einem Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Neben dieser Medienmacht entstand aus den Reihen der Kirche im Jahr 2005 auch die konservative Republikanische Partei PRB, die zunehmend Einfluss in der regionalen und nationalen Partei gewinnt. Insgesamt verfügt die Kirche über jährliche Einnahmen in der Höhe von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro. Jedes der zwei Millionen Mitglieder spendet mindestens zehn Prozent ihres Einkommens der Kirche.

Bürgermeister glaubt nicht an die Evolution und ist gegen Aufklärungsunterricht

Doch nicht nur die Kirche und Partei des neuen Bürgermeisters von Rio steht in der Kritik. Auch er selbst sorgt mit seinen Aussagen für Aufregung. So ist er Kreationist – das heißt, er glaubt nicht an die Evolution, sondern an die Schöpfung, wie sie in der Bibel steht. Und auch mit Lesben und Schwulen hat der ehemalige Gospelsänger und Priester ein Problem.

So behauptete Marcelo Crivella unter anderem in einem 1999 veröffentlichten Buch, dass Homosexuelle Opfer eines „schrecklichen Übels“ seien. Auch sprach er sich gegen die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare aus, die in Brasilien seit drei Jahren gilt. Weiters lehnt er auch Sexualkunde in den Schulen ab.

Katholiken sind für Crivella „dämonisch“, Hindus trinken Kinder-Blut

Doch auch mit anderen Menschen, die nicht seiner religiösen Überzeugung folgen, hat der 59-Jährige offenbar ein Problem. So bezeichnete er Katholiken als „dämonisch“ – in einem Land, in dem fast 65 Prozent der Bevölkerung katholisch sind. Weiters hat Crivella behauptet, dass Hindus das Blut von Kindern trinken. Im Wahlkampf hat er sich von diesen Aussagen dann distanziert.

Die Wahl von Crivella gilt vor allem als Reaktion auf eine Wirtschafts- und Vertrauenskrise, in der sich Brasilien zurzeit befindet. So gibt es in dem Land die schlimmste Rezession seit den 1930-er Jahren. Die konservative Regierung gibt der im August abgesetzten Präsidentin Dilma Rousseff die Schuld daran. Diese wirft der Regierung wiederum einen Putsch zum eigenen Vorteil vor.