Köln: Scharfe Kritik an der Hilfe für queere Flüchtlinge

Einige Flüchtlinge prostituieren sich sogar, um nicht zurück ins Flüchtlingsheim zu müssen

Obdachloser Jugendlicher
Sujetbild - Fotolia/Roman Bodnarchuk

Kritik an der Stadt Köln kommt von einer Flüchtlingsorganisation, die sich um schwule, lesbische, bisexuelle und transgender Geflüchtete kümmert: Die Domstadt erfülle ihre Verpflichtungen beim Schutz dieser Gruppen nicht, mahnen die „Rainbow Refugees Cologne – Support Group“. Bis jetzt blieben die Taten der Stadtverwaltung hinter den Versprechen zurück.

Kein Schutz vor anderen homophoben Flüchtlingen

So würden viele queere Flüchtlinge nach wie vor in allgemeinen Heimen untergebracht sein. „„Hier werden sie meist im gleichen Heim und gleichem Zimmer mit Landsleuten untergebracht, vor denen sie geflohen sind“, so die „Rainbow Refugees Cologne – Support Group“. Auch sei das Personal der Unterkünfte nicht der Situation entsprechend ausgebildet und sensibilisiert. „In den Sammelunterkünften sind sie Beleidigungen, Nötigungen und Drohungen, sexuellen Übergriffen und physischer Gewalt ausgesetzt”“, so die Aktivisten.

Doch die Vorfälle, von denen die Aktivisten erfahren, seien nur „die Spitze des Eisbergs“, sind sie sich sicher: „Weil ihre Situation in den Heimen unerträglich geworden ist, ziehen viele Geflüchtete von einer provisorischen Unterkunft in die nächste. Andere prostituieren sich, nur um nicht mehr ins Flüchtlingsheim zurück zu müssen“, beschreiben sie deren Lage.

Stadt Köln zog Hilfsangebot zurück

Die Hilfeleistungen der Stadt für Flüchtlinge, die einer sexuellen Minderheit angehören, bleiben hinter den Versprechungen zurück, kritisieren die Aktivisten der „Rainbow Refugees Cologne – Support Group“. So hat das Amt für Wohnungswesen im September angeboten, dreißig kleinere Wohneinheiten für diese Gruppe zur Verfügung zu stellen.

In einem weiteren Gespräch einen Monat später sei eine Beamtin vom Wohnungsamt von dieser Zusage aber wieder abgerückt und habe auf schon erfolgte Unterbringungen in umgewidmeten Hotels oder Doppelzimmern verwiesen. „Diese Art der Unterbringung ist völlig ungeeignet, und das ist der Stadt auch bekannt“, so die Aktivistin Ina Wolf: „Angesichts der absoluten Dringlichkeit in vielen Fällen ist dieses langwierige Verfahren nicht nachvollziehbar.“

Dabei hat der Rat der Stadt Köln vor einem Jahr beschlossen, sich für besonders schutzwürdige Flüchtlinge besonders anzustrengen. Dabei wurden ausdrücklich auch queere Personen genannt. Derzeit soll es in Köln etwa 1300 Flüchtlinge geben, die einer sexuellen Minderheit angehören.

Private Wohnungen und WG-Zimmer gesucht

Nun versucht die „Rainbow Refugees Cologne – Support Group“ private Angeboten für Wohnungen oder WG-Zimmer für LGBT-Flüchtlinge zu sammeln und an Betroffene zu vermitteln. Entsprechende Angebote können per Mail an [email protected] übermittelt werden. Allerdings macht Ina Wolf klar: „Unser ehrenamtliches Engagement entlässt weder die Stadt noch die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Flüchtlingsinitiativen oder anderer sozialer Träger aus ihrer Verantwortung.“

Seit November 2015 kümmern sich die „Rainbow Refugees Cologne – Support Group“, eine ehrenamtliche Gruppe, um deren Bedürfnisse. Dafür arbeiten sie mit dem selbstorganisierten Migrantenprojekt baraka im Beratungszentrum rubicon, der Geflüchteten-Selbsthilfeinitiative Sofra Cologne und dem Kölner Flüchtlingsrat für LGBTI-Geflüchtete zusammen. Für ihre Arbeit suchen sie noch weitere ehrenamtliche Aktivistinnen und Aktivisten.