Beschimpft, beleidigt und bedroht: Lesben, Schwule und Transgender in Trumps USA

Nach dem Wahlsieg brechen nicht nur bei radikalen Trump-Anhängern alle Dämme

Drohung eines Trump-Anhängers
Facebook

Seit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika sind Minderheiten verstärkt Drohungen und Gewalttaten seiner Anhänger ausgesetzt. Das betrifft auch Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender. Eine klare Distanzierung des künftigen Präsidenten dazu ist bis jetzt ausgeblieben.

Drohungen mitten in den homo-freundlichen Gegenden

Das raue Klima spürte auch Randy Lee Webster, Pastor bei der First Presbyterian Church of Burlington im US-Bundesstaat Iowa. Der schwule Geistliche fand unter die Windschutzscheibe seines Autos ein homophobes Flugblatt geklemmt, das ihn persönlich angriff.

„Also, Pater Homo“, war dort zu lesen, „wie fühlt es sich an, dass Trump dein Präsident ist? Zumindest hat er Eier. Sie werden die Ehe dorthin zurückführen, wohin Gott es wollte und dir wegnehmen. Amerika wird sich um deinen schwuchtligen Hintern kümmern“, drohen die Unbekannten.

Auch in Bay City, einer friedlichen Kleinstadt im US-Bundesstaat Michigan, fand ein homosexuelles Paar gestern eine homophobe Drohung in ihrem eigenen Briefkasten. „Verschwindet, Schwuchteln. Trump Country“, stand handgeschrieben auf dem Zettel, garniert mit einem Hakenkreuz.

 

Geteilt hat die Drohung Craig Windt, ein offen schwuler Geschichtelehrer, der mit seinem Mann auch in der Stadt lebt. „Erzählt mir nicht, dass die Wahl von Trump nicht das Schlechteste aus einigen Menschen hervorgebracht hat“, kommentiert er das Foto auf Facebook.

Ein anderes homosexuelles Paar aus dem US-Bundesstaat North Carolina fand auf ihrem Auto einen Zettel mit der Aufschrift: „Kann es nicht erwarten, bis Eure ‚Ehe‘ von einem echten Präsidenten aufgehoben wird. Homo-Familien brennt in der Hölle. #Trump2016“.

https://twitter.com/ShaunKing/status/796542537255239681

Auch das Blog „Queerty“ hat zahlreiche Übergriffe auf sexuelle Minderheiten nach dem Wahlsieg von Donald Trump aufgelistet: In New York wurde ein schwuler Mann als „Hillary Unterstützer-Schwuchtel“ beschimpft. Ein weiterer Mann berichtet, auf dem Weg zum Mittagessen sei ein Pick-up mit Konföderations-Flaggen und Trump-Aufklebern an ihm vorbeigefahren, und einer der Passagiere habe sich herausgelehnt und ihm zugerufen: „Stirb, Schwuchtel“, während er mit der Hand eine Pistolen-Geste machte.

Ein weiterer schwuler Mann aus Thousand Oaks im sonst minderheitenfreundlichen US-Bundesstaat Kalifornien wurde auf dem Weg von der Bus-Haltestelle nach Hause von drei Halbwüchsigen bedroht: „Mach dich bereit, Schwuchtel. Du wirst mehr lange hier sein“, drohten sie ihm. „Ich habe Angst, mein eigenes Haus zu verlassen, und das ist nicht okay“, schrieb er auf Facebook.

Transgender wurde innerhalb einer Stunde geoutet, beschimpft und bedroht

Logan, ein Transgender-Bursche, der sich zu Hause nicht outen kann, schrieb auf Twitter, dass er am ersten Tag nach dem Wahlgewinn von Donald Trump innerhalb einer Stunde geoutet, als Schwuchtel bezeichnet und aufgefordert wurde, seiner persönlichen Sicherheit zuliebe jemanden oral zu befriedigen – von Mitschülern, die vor der Wahl seine Freunde waren.

Am nächsten Tag wurde Logan geschlagen, weil er trans ist. „Als ich nicht zurückgeschlagen habe, sagte er: ‚Sei keine Pussy und prügle dich mit mir wie ein echter Mann‘“, erinnert er sich. Stattdessen hat er ihn ignoriert und ist gegangen.

Auch zahlreiche andere schwule, lesbische, bisexuelle oder transgender User auf Facebook oder Twitter berichten, dass sie seit dem Wahlsieg von Donald Trump signifikant öfter als „Schwuchtel“ bezeichnet werden.

Die Lage für sexuelle Minderheiten wird – unabhängig davon, welche gesetzlichen Maßnahmen die Trump-Regierung in den nächsten Jahren treffen wird oder wie ein konservativer Supreme Court entscheidet – ungemütlicher. Viele Anhänger des gewählten US-Präsidenten fühlen sich ihn ihrem Hass gegenüber allen Minderheiten bestärkt und haben nun keine Skrupel mehr, diesen auch öffentlich zu zeigen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, dass das Flugblatt gegen den schwulen Pastor in New York gefunden wurde. Das stimmt nicht. Der Artikel wurde korrigiert. Die Redaktion.