Willem-Alexander, König der Niederlande, besucht LGBTI-Verband

Erster Besuch des Königs bei COC Nederland hat eine historische Dimension

König Willem Alexander
COC Nederland

Hohen Besuch konnte die LGBTI-Organisation COC Nederland anlässlich ihres 70. Geburtstags empfangen: Willem-Alexander, König der Niederlande, besuchte die Räumlichkeiten der Gruppe in Amsterdam. Es war der erste Besuch eines regierenden Monarchen bei einer Organisation, die sich für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt.

Dem entsprechend stolz war auch Tanja Ineke, Präsidentin von COC Nederland. „Es ist ein großer Schub für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen in den Niederlanden und auf der ganzen Welt“, sagt sie voll Stolz. Der Besuch sei auch die Anerkennung der Arbeit und Leistungen, die COC Nederland in den letzten 70 Jahren erreicht hat.

Gespräche mit Schülern und Migranten

Während seinem Besuch sprach König Willem-Alexander mit Jugendlichen, die an ihren Schulen an Projekten zum Thema sexuelle Minderheiten arbeiten und so für eine größere Sichtbarkeit dieser Gruppe sorgen. Auch Boumedien Souad, eine der Organisatorinnen des Marokko-Bootes bei der Amsterdamer Canal Pride, traf den Monarchen. Sie hofft, dass der Besuch von Willem-Alexander auch im Ausland wahrgenommen wird – zum Beispiel in Marokko, wo Homosexualität noch immer illegal ist.

Auch während des Besuchs des Königs dabei war die 84-jährige Gerda Tolk. „Vor sechzig Jahren, als ich jung war, war Homosexualität ein absolutes Tabu und hat nicht existiert. Es hat nur einige seltsame Zeichen gegeben, mit denen man vermuten können, dass jemand schwul oder lesbisch war“, erinnert sie sich im Gespräch mit dem niederländischen Rundfunk NOS. „Ich bin aufgeregt, aber es ist auch spannend“, sagte sie über die royale Visite.

Besonderer Moment für 84-jährige Aktivistin

Noch heute klärt Tolk Schüler in Friesland über sexuelle Minderheiten auf. „Wir erzählen, wie es war, homosexuell zu sein. Die jungen Leute haben keine Vorstellung davon.“ In Altenheimen werden schwule und lesbische Senioren noch immer diskriminiert, weiß die 84-Jährige. „Nicht von den Pflegern, sondern von anderen Senioren.“

Die COC-Präsidentin bezeichnete den Besuch als große Ehre und hofft, dass er einen starken Eindruck auf Jugendliche habe, die einer sexuellen Minderheit angehören. „Wenn man 13 ist und das Gefühl hat, lesbisch zu sein und man überlegt, sich zu outen oder zu verstecken, und man sieht, dass der König COC besucht – dann ist das eine enorme Bestätigung“, so Ineke.

Besuch des Königs ist ein historisches Ereignis

So sieht das auch der Historiker und ehemalige Politiker Coos Huijsen. König Willem-Alexander setze mit seinem Besuch eine enorme Geste sowohl für sich selbst als auch für sexuelle Minderheiten: „Der König möchte in die Herzen der gesamten Nation. Und Homosexuelle, eine benachteiligte Gruppe, fühlen die Anerkennung – ein wenig Solidarität des Staatsoberhaupts.

Auch, wenn die Niederlande als tolerant gelten, wenn es um die Rechte von Lesben, Schwulen oder Transgendern geht: Außerhalb der Großstädte ist die Situation oft eine andere. Auch gibt es in Städten wie Amsterdam durchaus auch Viertel, in denen Homo- oder Transsexuelle nicht so gern gesehen werden.

„Es gibt noch eine Menge zu tun, bevor Mitglieder der niederländischen LGBTI-Community volle Gleichberechtigung erreicht haben“, ist sich auch Tanja Ineke bewusst. Noch immer sei „schwul“ ein weit verbreitetes Schimpfwort an Schulen, und die Diskriminierung sexueller Minderheiten ist noch nicht ausdrücklich in der niederländischen Verfassung verboten.