Lesben von Gewalt in Beziehungen besonders betroffen

Zum ersten Mal hat das BKA auch die Daten aus Lebenspartnerschaften ausgewertet

Obdachloser Jugendlicher
Sujetbild - Fotolia/Roman Bodnarchuk

Erstmals gibt es in Deutschland eine Statistik über Gewalt in schwulen und lesbischen Beziehungen. In Lebenspartnerschaften sind besonders Frauen davon betroffen, geht aus den Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor.

Keine schwere Körperverletzung, kein Todesfall

So gab es im Jahr 2015 unter homosexuellen Lebenspartnerschaften keine schwere Körperverletzung oder Körperverletzung mit Todesfolge. Unter heterosexuellen Ehepaaren wurden hier 210 Fälle registriert, unter Ex-Partnern und sonstigen Partnerschaften, die auch gleichgeschlechtliche Paare beinhalten können, waren es 205.

Weiters verzeichnete das BKA für 2015 unter Lebenspartnerschaften 94 Fälle von gefährlicher Körperverletzung und 480 einfache vorsätzliche Körperverletzungen. Das entspricht jeweils 0,6 Prozent aller gemeldeten Fälle. Die meisten davon wurden aus lesbischen Beziehungen gemeldet: 57 gefährliche Körperverletzungen und 344 einfache vorsätzliche Körperverletzungen gab es unter Frauen.

Die meisten Anzeigen in homosexuellen Beziehungen betreffen Frauenpaare

Auch alle vier angezeigten Fälle von Vergewaltigung oder sexueller Nötigung in Lebenspartnerschaften sind in lesbischen Beziehungen geschehen. Weiters hat das BKA 79 Fälle von Bedrohungen aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen registriert, darunter 15 von Männern. Insgesamt 26 Mal wurden die Behörden bei homosexuellen Paaren wegen Stalking aktiv, hier war ein Mann betroffen.

Dass es in lesbischen Beziehungen statistisch mehr Gewalt gibt, könnte auch daran liegen, dass Männer öfter keine Anzeige erstatten, wenn sie in der Beziehung zum Opfer werden. Experten vermuten, dass hier schwule Männer die gleichen Ängste haben wie ihre heterosexuellen Geschlechtsgenossen. BKA-Präsident Holger Münch sprach bei der Vorstellung der Statistik von einem „nicht unerheblichen Dunkelfeld”.

In Lebenspartnerschaften gibt es mehr Gewalt als in Ehen

In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes rund 8,7 Millionen Ehepaare und 43.500 Lebenspartnerschaften. Damit gibt es in gleichgeschlechtlichen Beziehungen proportional mehr Gewaltfälle als in Ehen. Wie repräsentativ diese Zahlen sind, wird der Vergleich mit den Daten der nächsten Jahre zeigen. Insgesamt 82 Prozent aller Opfer waren Frauen.

Die Zahlen des BKA entsprechen im Großteil auch den Ergebnissen einer US-Studie. Diese kam vor zwei Jahren ebenfalls zu dem Schluss, dass der Anteil häuslicher Gewalt unter homosexuellen Paaren höher ist. Der Studie zufolge lag dies unter anderem daran, dass diese Paare durch ihre Diskriminierung mehr Stress ausgesetzt seien.