Conchita Wurst: Wahlaufruf für Alexander Van der Bellen

"Ich möchte nicht, dass Österreich als wuterfülltes, abgeschottetes Land gesehen wird"

Conchita Wurst
Screenshot: Facebook/Conchita Wurst

In weniger als einer Woche wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. Nun hat auch Conchita Wurst eine Wahlempfehlung abgegeben. In einem gestern veröffentlichten Facebook-Video ruft sie dazu auf, den ehemaligen Grünen-Chef Alexander Van der Bellen zu wählen – und begründet diesen Aufruf eindringlich.

Conchita macht klar: Es geht um ein weltoffenes Österreich!

Sie möchte dazu beitragen, dass am 4. Dezember möglichst viele Menschen wählen und mitbestimmen, wie es „mit unserem Land und dem Ansehen Österreichs in Zukunft weitergeht – indem wir gemeinsam dafür sorgen, dass ein weltoffener, mutiger Kandidat gewinnt“. Ein Sieg von Norbert Hofer hätte für alle Österreicherinnen und Österreicher Folgen, warnt Conchita: „Weniger Tourismusumsatz, weniger Kongresse, weniger Chancen für junge Menschen, am kulturellen und sozialen Reichtum Europas teilzuhaben.

„Ich möchte nicht, dass Österreich als wuterfülltes, abgeschottetes Land gesehen wird. Davor habe ich viel mehr Angst als vor Menschen, die hierher flüchten. Oder vor Andersdenkenden. Oder vor Menschen, die zu einem anderen Gott beten.“, sagt Conchita. Deshalb macht sie klar: „Meine Stimme bekommt Alexander Van der Bellen“. Sie habe ihre eigene Karriere „der Weltoffenheit des Eurovision-Publikums zu verdanken“, erinnerte sie noch einmal. Und jeder, dem eine weltoffene Zukunft in Österreich am Herzen liege, solle zur Wahl gehen, appellierte die Sängerin an ihre heimischen Fans.

Unentschlossene Wähler werden das knappe Rennen entscheiden

Conchita möchte sich mit ihrem Video vor allem an jene Wähler wenden, die noch unentschlossen sind. Diese werden den Einschätzungen der Meinungsforscher zufolge die Wahl entscheiden. „Bei dieser Wahl geht es nicht darum, ob Herr Hofer oder Herr Van der Bellen der bessere Kandidat ist. Denn wahrscheinlich hat jeder der beiden Eigenschaften, die ihn eben mehr oder eben weniger geeignet erscheinen lassen. Es geht nicht um die Person, und es geht auch nicht um das Amt an sich, und ob es überhaupt gebraucht wird“, erklärt Conchita.

Stattdessen gehe es bei dieser Wahl „um viel, viel mehr: Es geht um eine Weichenstellung, um eine Richtungsentscheidung für viele Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte“, so die Gewinnerin des Song Contest von 2014. Die eine Richtung – eine Wahl Van der Bellens – führe uns dahin, als weltoffenes Land gesehen zu werden. Die andere Richtung – eine Wahl von Norbert Hofer – mache Österreich zur Speerspitze von Europas rechter, nationalistischer populistischer Politklasse, „die unseren Kontinent immer stärker auseinandertreibt“, so Conchita.

Dieser Machtwechsel könnte nur dadurch ermöglicht werden, dass viele von ihrem Wahlrecht nicht Gebrauch machen. Deswegen zähle am Sonntag jede einzelne Stimme, macht Conchita deutlich. Das Video wurde bis jetzt gut 275.000 Mal aufgerufen.

Und wirklich zählt am 4. Dezember, wenn die Stichwahl für das Amt des Bundespräsidenten wiederholt wird, jede Stimme. Bei der aufgehobenen Stichwahl am 22. Mai gewann Alexander Van der Bellen mit 50,35 Prozent gerade 30.863 Stimmen vor dem FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer. Wie das Ergebnis nun ausgehen wird, ist aufgrund des langen und ermüdenden Wahlkampfes völlig unklar.