„Grindr-Killer“: Drei Tote durch die Ignoranz der Polizei?

Polizei hatte schon nach dem ersten Toten Hinweise auf Stephen Port - und ging ihnen nicht nach.

Stephen Port
privat

Das Versagen der Londoner Polizei im Fall Stephen Port hat Konsequenzen: Der als „Grindr-Killer“ bekannt gewordene 41-Jährige wurde des vierfachen Mordes schuldig gesprochen. Dabei hatte die Polizei schon nach dem ersten Toten Hinweise, dass Port in den Fall verstrickt sein könnte.

Polizei interessierte sich nicht für schwule Männer aus der Arbeiterklasse

Nach dem dritten Mord gab es sogar eine Anfrage des britischen Online-Magazins PinkNews – diese wurde von der Polizei heruntergespielt. „Wenn drei junge Frauen in Islington oder Hampstead ermordet worden wären und die Anfrage von der Daily Mail gekommen wäre, glaube ich nicht, dass das passiert wäre“, ärgert sich PinkNews-Chef Benjamin Cohen.

Nun hat die Independent Police Complaints Commission (IPCC) eine Untersuchung eingeleitet, warum die Metropolitan Police diese Fälle ignoriert hat. Sie ermittelt gegen sieben Polizeibeamte. Zehn weitere wurden wegen Fehlverhaltens angezeigt.

Nun untersucht die Polizei 58 weitere Fälle

Als Konsequenz auf ihre eigene Ignoranz möchte die Metropolitan Police nun 58 ähnliche Fälle wieder aufrollen, die zwischen Juni 2011 und Oktober 2015 stattgefunden haben. Bei allen handelt es sich um Vergiftungen mit GHB, jener Droge, mit der auch Stephen Port seine Opfer bewusstlos gemacht und ermordet hat. Der Zeitraum entspricht auch jenem, in dem der „Grindr-Killer“ aktiv war.

GHB, auch als „Liquid Ecstasy“ bekannt, wird in der Schwulenszene für „Chemsex“ auch zur sexuellen Stimulation verwendet. Eine leichte Überdosierung kann aber tödlich sein. Deshalb haben die Polizisten zunächst auch einen Unfall vermutet, als sie die Opfer von Port auf einem Friedhof in der Nähe gefunden haben, mit einem Fläschchen GHB.

Polizei dachte bei den Toten an Chemsex-Opfer – ohne Sex-Partner

„Aber was mir komisch vorkommt: Du kannst keinen Chemsex mit dir selbst haben, du hast Chemsex mit jemand anderem. Wenn also all diese Leute diese Droge genommen haben, müssen sie mit jemandem geschlafen haben, um es zu tun“, so Cohen.

„Eine erneute Untersuchung dieser Todesfälle ist jetzt im Gange, um verdächtige Umstände aufzuklären“, erklärt ein Polizeisprecher gegenüber CNN. In vielen Fällen sei die Polizei nicht hinzugezogen worden, sondern die Todesfälle wurden direkt von der Gerichtsmedizin behandelt, so der Sprecher weiter. Bis jetzt gebe es keinen Hinweis, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Fällen und „Grindr-Killer“ Stephen Port gebe.