Indonesien: Polizei stürmt schwule Party nach Islamisten-Angriff

Fünfzig Islamisten stürmen Privatparty - und die Polizei nimmt die Partygäste fest.

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Symbolbild - Pixabay

In Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens, hat die Polizei in der Nacht auf Sonntag auf Druck einer radikalislamischen Gruppe eine Wohnung gestürmt. In dem Appartement soll lokalen Medien zufolge um eine schwule Sex-Party stattgefunden haben. Bei der Polizeiaktion wurden 13 Männer festgenommen.

50 Islamisten stürmen private schwule „Sex-Party“

Zuvor hatten bereits bis zu fünfzig Aktivisten der radikalislamischen „Islamic Defenders Front“ (FPI) die Wohnung gestürmt und wegen der angeblichen Sex-Party die Polizei gerufen. Ein Mitglied der Gruppe habe in sozialen Netzwerken von der Party erfahren, erklärte ein Sprecher der Polizei der „Jakarta Post“.

In der Wohnung habe man Handys, Kondome und antiretrovirale Medikamente sichergestellt, so der Polizeisprecher weiter. Allerdings habe man keine Beweise für eine Straftat gefunden. Einvernehmlicher homosexueller Geschlechtsverkehr ist in Indonesien nicht verboten. Die Festgenommenen wurden am Montag wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine Anklage ist unwahrscheinlich.

Harmlose Strip-Spiele statt einer wilden Orgie

Polizeisprecher Prabowo Argo Yuwono erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AAP, dass es sich bei der Veranstaltung aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht um eine schwule Sex-Party gehandelt habe. Stattdessen wurde ein Spiel gespielt, bei dem die Verlierer ihre T-Shirts ausziehen mussten. Auch, dass bei 13 Männern nur zwei Packungen Kondome gefunden habe, widerspreche der Orgien-Theorie.

Wie die „Jakarta Post“ vermutet, stürmte die Polizei das Appartement nur, weil sie sich von den Islamisten unter Druck gesetzt fühlte. Die LGBT-Organisation „Our Voice“ kritisierte, dass die Beamten die Partybesucher festgenommen hatten und nicht die Islamisten, die die Wohnung gestürmt und so das Hausrecht der Bewohner missachtet hatten. „Es ist erschreckend, dass eine Regierungsbehörde so etwas erlaubt. Das ist eine Warnung an die ganze Nation“, so die Aktivisten.

Razzia „weiterer Rückschlag für die Demokratie“

Andreas Harsono von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) sagte, diese Razzia sei ein weiterer Rückschlag für Indonesiens junge Demokratie. Mittlerweile hat die FPI auf Sozialen Netzwerken Fotos jener Männer veröffentlicht, die sie bei der Party gestört hatten. Auch gegen diese moderne Form des Prangers griff die indonesische Polizei bislang nicht ein.

Das Einschüchtern von Anders-, Nicht- und Wenigergläubigen gehört zur Taktik der „Islamic Defenders Front“. Bars, die aus Sicht der Gruppe „unmoralisch seien, statten Mitglieder der Islamisten gelegentlich „Besuche“ ab. Auch Gewalttaten gegen Andersdenkende gehören zum Repertoire der FPI.

Behörden machen, was die Islamisten wollen

Und es ist nicht das erste Mal, dass sich die Behörden in Indonesien von der FPI treiben ließen. So wurde im Februar auf Druck der Islamisten die Konferenz einer LGBT-Organisation in einem Hotel in Jakarta unterbunden. Im Jahr 2012 musste ein Konzert von Lady Gaga abgesagt werden, nachdem die FPI mit Gewalt gedroht hatte.

Im August hat HRW in einem Bericht vor einer Verschärfung der Lage gewarnt: Regierungsvertreter, Islamisten und religiöse Massenorganisationen würden mit Hasstiraden das gesellschaftliche Klima in Indonesien so sehr verschärften, dass man inzwischen von einer „schwerwiegenden langfristigen Bedrohung der Rechte und der Sicherheit von LGBT-Indonesiern“ sprechen könne.

Der indonesische Präsident Joko Widodo hat daraufhin die Polizei aufgefordert, sexuelle Minderheiten besser zu schützen. Eine Aufforderung, die offenbar nicht auf fruchtbaren Boden fiel.