Aids Hilfe Wien will sich verstärkt um Migranten kümmern

Auch Wien bekennt sich zur „90-90-90“-Strategie, um Aids ein Ende zu bereiten

Kondome mit Red Ribbon
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Die Aids Hilfe Wien (AHW) möchte mehr Kontakte zu Migranten aufbauen. Denn bei vielen von ihnen wird, wenn sie HIV-positiv sind, die Infektion erst verhältnismäßig spät entdeckt. Das macht die Therapie schwieriger. Und auch bei schwulen und bisexuellen Männern will die AHW die Zahl dieser „Late Presenter“ deutlich senken. Die Zahl der neu entdeckten HIV-Infektionen bleibt unterdessen stabil.

Durch sprachliche und kulturelle Hürden erfolgt die Diagnose oft sehr spät

Weil Migranten durch sprachliche oder kulturelle Hürden schwerer zu erreichen sind, will die AHW hier die Testangebote intensivieren, kündigt Geschäftsführer Philipp Dirnberger anlässlich des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember an. Zugewanderten Menschen soll es besonders niederschwellig möglich sein, sich auf HIV testen zu lassen.

Und weil bei vielen Migranten das Thema sehr tabuisiert ist oder sie bisher keinen Zugang zu HIV-Antikörpertests hatten, werden Infektionen oft erst sehr spät erkannt. Das mache die Behandlung schwieriger, erklärt Dirnberger. Das betreffe nicht nur Flüchtlinge, die in den letzten Monaten nach Österreich gekommen sind. Denn diese kämen großteils aus Ländern, in denen eine HIV-Infektion nicht sehr verbreitet sei.

Auch mehr Tests für Männer, die Sex mit Männern haben

Eine zweite Gruppe, bei denen eine HIV-Infektion überdurchschnittlich spät erkannt wird, sind Männer, die Sex mit Männern haben. Sie möchte die Aids Hilfe Wien mit den bereits jetzt angebotenen Tests in Lokalen oder anderen Einrichtungen der Community besser erreichen, so AHW-Obmann Wolfgang Wilhelm.

Wie auch Berlin bekennt sich auch Wien zur „90-90-90“-Strategie der UNO, um die HIV-Epidemie bis 2030 zu beenden. Dafür müssen 90 Prozent der Infizierten über ihren Status Bescheid wissen, 90 Prozent der Diagnostizierten haben Zugang zu Behandlung und bei 90 Prozent der Behandelten kann kein Virus mehr nachgewiesen werden. In Wien liegt diese Rate etwa bei 88-85-76, erklärt Bernhard Benka vom Gesundheitsministerium. Trotz der bereits guten Werte seien die letzten Prozent ähnlich aufwendig wie das bisher Erreichte, betont er.

Die Zahl der neu entdeckten HIV-Diagnosen bleibt in Österreich unterdessen auf niedrigem Niveau relativ stabil. Bis September wurde HIV in ganz Österreich bei 325 Menschen erstmals nachgewiesen, in Wien waren es 149 Betroffene. Die AHW rechnet für das ganze Jahr mit 400 bis 500 Fällen. Im Jahr 2015 waren es österreichweit 428 Neudiagnosen, davon 224 in Wien.