Kampf gegen HIV: Life Ball besinnt sich seiner Wurzeln

Gery Keszler und sein Team möchten mehr Menschen dazu aufrufen, ihren HIV-Status zu kennen

Rathausplatz beim Life Ball
Life Ball/Christoph Leder

Dieses Jahr machte der Life Ball eine Pause – nächstes Jahr wird es die größte Charity-Veranstaltung im Kampf gegen HIV und Aids wieder geben. Gery Keszler und sein Team wollen dabei vom reinen Event wieder einen Schritt zurück machen und mithelfen, HIV auszurotten. Keszler betont, sein Ziel sei es „den Life Ball in eine neue Dekade zu führen“ und dabei „eine klarere Sprache zu finden“. Beim Life Ball, der am 10. Juni 2017 zum 24. Mal stattfindet, können die Gäste deshalb einen Gratis-HIV-Test machen.

Mehr Bewusstsein für den eigenen HIV-Status schaffen

Deshalb will das Team bei mehreren Events im Jahr 2017 mehr Bewusstsein für das Thema HIV schaffen und mehr Menschen dazu bringen, ihren Status testen zu lassen. „Das Problem mit einer HIV-Infektion ist ja immer dann gegeben, wenn der Betroffene nicht weiß, dass er HIV-positiv ist und er dadurch eine sehr hohe Virenbelastung bekommt“, erklärt Gery Keszler.

Eine neue Kampagne soll die Österreicherinnen und Österreicher zu einem HIV-Test animieren. Dabei werden Dita von Teese und Conchita Wurst, aber auch Vizebürgermeisterin Renate Brauner und Familienministerin Sophie Karmasin zeigen, dass sie sich testen haben lassen.

Einheitliche Namenskonvention für das Life-Ball-Universum

Die organisatorischen Veränderungen dafür wurden am Dienstag bei einer Präsentation im Wiener Planetarium vorgestellt. Der Trägerverein „Aids Life“ heißt künftig „Life+“, dessen zentrales Element bleibt der Life Ball. Die Änderung soll dem Verein helfen, künftig internationaler zu agieren. Aus dem „Red Ribbon Celebration Concert“ im Burgtheater wird das „Life Celebration Concert“. Auch die Life Ball Style Bible bekommt einen neuen Namen, der in das Konzept passt. Die farbenfrohe Präsentation des Ballmottos heißt künftig „Life Bible“.

Neu ist ein „Life Ball Junior“, der sich besonders an 13- bis 18-Jährige wendet. Er soll am Tag nach dem „großen“ Ball von 16.00 bis 22.00 in Wiener Rathaus stattfinden. Im Rahmen einer Schnitzeljagd sollen die Teenager dabei mehr zu HIV und Aids erfahren. „Gerade in der Jugend gibt es eine Verharmlosung von HIV“, erklärt Keszler. Partner der Veranstaltung sind der Wiener Stadtschulrat, das Bildungs- und das Gesundheitsministerium.

Life Ball für Kanzler Kern eine „Visitenkarte für ein aufgeschlossenes Österreich“

Zusätzlich zum Verein „Life+“ und dessen Geschäftsführung gibt es nun auch ein Beratergremium. Diesem gehört unter anderem Eveline Steinberger-Kern, die Ehefrau von Bundeskanzler Christian Kern an. „Wir brauchen Toleranz in unserer Gesellschaft. Wir brauchen das Verständnis dafür, dass wir in einer bunten Gesellschaft leben. Und dafür braucht es auch Verständnis für Menschen, die vielleicht nicht nur auf die Sonnenseite des Lebens gefallen sind“, erklärte Kanzler Kern bei der Präsentation. Den Life Ball bezeichnete er als „Visitenkarte“ für ein „buntes, modernes und aufgeschlossenes Österreich“.

Keszler selbst hat sich beim letztjährigen Life Ball als HIV-Positiver geoutet. Die nächsten zwei Monate ging die Zahl der anonymen HIV-Tests in die Höhe. „Wenn Worte von mir so einen Impact haben, da ist es allemal wert, ein Jahr Pause gemacht zu haben und diesen Weg weiter zu gehen“, blickt Gery Keszler zurück.

Mehr Aufklärung über HIV soll nicht nur Menschen animieren, sich testen zu lassen. Auch für eine Reduktion der Ansteckungsrate und einen gesellschaftlich ehrlicheren Umgang mit dem Thema ist Wissen der Schlüssel. Weltweit sind 36,7 Millionen Menschen von HIV und Aids betroffen, allerdings kennen nur 54 Prozent ihren Immunstatus.