Homosexualität wird im Tschad bald eine Straftat

Die zentralafrikanische Republik kriminalisiert gleichgeschlechtlichen Sex

Gefängnis
Symbolbild - Fotoloa

Der Tschad wird homosexuelle Handlungen unter Strafe stellen. Ein entsprechendes Gesetz hat das Parlament des zentralafrikanischen Staates mit 116 zu einer Stimme beschlossen, vier Abgeordnete haben sich enthalten.

Der Tschad ist der 77. Staat, in dem Homosexualität illegal ist

Bis jetzt waren gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Männern und Frauen im Tschad zwar nicht gesellschaftlich akzeptiert, aber zumindest legal. Doch das ändert sich nun. Wenn das neue Gesetz in Kraft tritt, können sie mit Geldstrafen oder Haft auf Bewährung geahndet werden. Präsident Idriss Déby muss das Gesetz noch unterschreiben, bevor es in Kraft tritt. Das gilt aber als reine Formalität.

Der Tschad wird damit das 77. Land der Welt, in dem Homosexualität illegal ist. Von 55 Ländern in Afrika sind homosexuelle Handlungen damit in 36 Staaten verboten.

Für Delwa Kassiré Coumakoye, den ehemaligen Premierminister des Tschad, ist diese Regelung ein „fairer Kompromiss“: „Homosexualität wird von allen Religionen verdammt. Wir müssen nichts vergeben, was Gott selbst ablehnt, nur weil Leute aus dem Westen dieses oder jenes gesagt haben. Die jetzige Regelung im Strafgesetzbuch hält die Waage zwischen der konservativen öffentlichen Meinung in unserer eigenen Gesellschaft und einer internationalen Gemeinschaft, die sich beim Schutz von Minderheiten unnachgiebig zeigt“, erklärte er in seinem Blog.

Im ersten Gesetzesentwurf waren bis zu 20 Jahren Haft vorgesehen

Ursprünglich waren in der ehemaligen französischen Kolonie sogar noch strengere Strafen für schwulen oder lesbischen Sex geplant gewesen. Im ersten Versuch, Homosexualität zu kriminalisieren, sahen die verantwortlichen Abgeordneten eine Höchststrafe von bis zu 20 Jahren Gefängnis vor.

Das Verbot homosexueller Handlungen ist Teil einer großen Justizreform. Dabei wurde das Strafrecht aus dem Jahr 1967 komplett überarbeitet. In vielen Bereichen wurde es der Gegenwart angeglichen. So wurde die Todesstrafe fast vollständig abgeschafft, die Ehefähigkeit von 16 auf 18 Jahre angehoben.

Dem entsprechend lobt es auch Justizminister Hamid Dahalob: „Unser neues Strafgesetz ist modern. Es bezieht sowohl unsere eigenen Traditionen ein, wie die Erfordernisse, die aus unseren internationalen Beziehungen entstehen“, sagte er. Nur bei der Einschätzung von Homosexualität scheint der Tschad noch nicht im Jahr 2016 angekommen zu sein.