[Video] So skurril redet ein FPÖ-Politiker über Homo-Paare am Standesamt

Er würde sich „nicht wundern, wenn die ganze Gesellschaft in Panik ausbricht“, so der Freiheitliche Abgeordnete Wolfgang Zanger.

Wolfgang Zanger
Parlamentsdirektion/Bildagentur Zolles KG/Christian Hofer

Am Mittwoch hat auch der Nationalrat beschlossen, dass Eingetragene Partnerschaften künftig nicht mehr bei der Bezirkshauptmannschaft, sondern auf dem Standesamt geschlossen werden. Gegen den Gesetzesentwurf stimmte neben den Resten des Team Stronach auch die FPÖ. Eine etwas skurril anmutende Begründung dafür lieferte der Freiheitliche Abgeordnete Wolfgang Zanger.

Wundert sich, dass „Homo-Ehe zu einer Frage der inneren Sicherheit“ gemacht werde

So beschwerte er sich, dass die Öffnung des Standesamtes für gleichgeschlechtliche Paare Teil des umfassenden „Deregulierungs- und Anpassungsgesetz“ war, in dem auch andere Gesetze, die das Innenministerium betreffen, geregelt wurden. Dazu gehörten auch eine Änderung des Waffengesetzes, nun dürfen Polizisten künftig auch außerhalb ihres Dienstes eine Waffe tragen.

„Ich wundere mich schon, dass die Homo-Ehe zu einer Frage der inneren Sicherheit gemacht wird“, so der FPÖ-Politiker in seiner Rede knapp vor Mitternacht. Danach macht er sich auf Kosten des NEOS-Abgeordneten Nikolaus Scherak lustig. Dieser hatte zuvor die Öffnung des Standesamtes begrüßt. Er habe eine Vision: „Zwei Personen im weißen Brautkleid, verschleiert, treten vor den Altar, um zu heiraten, lüften beide den Schleier und auf einmal schaut der Kollege Scherak raus“, scherzte Zanger. Applaus oder Lacher für diese Pointe hielten sich in sehr engen Grenzen. Er würde sich „nicht wundern, wenn die ganze Gesellschaft in Panik ausbricht“, so der FPÖ-Abgeordnete weiter.

Zweck der Ehe: Kinder zeugen – „Ich schau‘ mir an, wie das zwischen zwei Schwulen oder Lesben funktioniert“

Für mehr Heiterkeit, wenn auch unfreiwillig, sorgte Zanger, als er sagte: „Für mich ist Sexualität und Liebe noch immer Privatsache und Ehe ist ein Privileg, das der Staat nicht umsonst als Privileg geschaffen hat, nämlich für Mann und Frau.“ Der Zweck der Ehe sei es „Kinder in die Welt zu setzen – und ich schau‘ mir an, wie das zwischen zwei Schwulen oder zwei Lesben funktioniert“, macht der Freiheitliche Nationalratsabgeordnete seine Sicht der Dinge klar.

Er und die FPÖ seien gegen die Ehe gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, betonte Wolfgang Zanger in seiner Rede – obwohl diese nicht einmal im Entferntesten zur Abstimmung stand.

Eingetragene Partnerschaft? Öffnung der Zivilehe? Egal – alles ist für Zanger die „Homo-Ehe“

Weiters griff er die „ehemalige Familienpartei“ ÖVP an, weil diese seiner Meinung nach durch die Öffnung der Standesämter ihre Werte verraten habe. Diese sei „aus tiefster Überzeugung für die Homo-Ehe“. Eine Meinung, die sich bei mit der Sache vertrauten Aktivisten noch nicht herumgesprochen hat. Denn dort gilt die ÖVP eher als Bremser, wenn es um die Rechte sexueller Minderheiten geht. Es fiel auf, dass der Politiker den Begriff „Homo-Ehe“ abwechselnd für Eingetragene Partnerschaften und die Öffnung der Ehe verwendete – als ob er den Unterschied nicht kenne.

„Die Ehe am Standesamt ist da, wie wir es vorausgesehen haben“, wetterte Zanger. „Was ist die Ehe vorm Standesamt? Das ist das Gleiche wie eine Zivilehe“, echauffierte sich der Abgeordnete. Dass das Rechtskomitee Lambda (RKL) noch 34 Unterschiede zwischen Eingetragener Partnerschaft und Zivilehe festmachen konnte, ignoriert Zanger.

Im Rahmen der Debatte zweifelte der niederösterreichische FPÖ-Mandatar Walter Rosenkranz an der Richtigkeit aktueller Umfragen, denen zufolge 73 Prozent der Österreicher kein Problem damit hätten, die Ehe für Lesben und Schwule zu öffnen. Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Günther Kumpitsch bezeichnete die Öffnung der Standesämter für schwule und lesbische Paare außerdem als „weiteren Tabubruch“ und „Schlag gegen die klassische Familie“.