Berlin: Mehr Professionalität im Umgang mit LGBT-Flüchtlingen gefordert

Die Verantwortlichen würden Flüchtlinge, die einer sexuellen Minderheit angehören, oft nicht erkennen

Brandenburger Tor
Visit Berlin - CC BY-NC-ND 2.0

Die Ankunftszentren, die seit drei Monaten in Berlin für ein effizienteres Asylverfahren sorgen sollen, seien mit Flüchtlingen überfordert, die einer sexuellen Minderheit angehören. Diese Kritik übt die Schwulenberatung Berlin.

Schnellverfahren in den Ankunftszentren für traumatisierte LGBT-Flüchtlinge ungeeignet

„Das zum 1. September auch in Berlin eingerichtete Ankunftszentrum kann besondere Schutzbedürftigkeiten, so etwa jene von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* (LSBTI*) Geflüchteten, strukturell nicht ausreichend identifizieren“, so die Aktivisten.

Die Ankunftszentren sollen innerhalb weniger Tage feststellen, ob die Asylbewerber eine realistische Chance haben, in Deutschland bleiben zu können. Doch dieses Verfahren wird den oft traumatisierten Flüchtlingen, die einer sexuellen Minderheit angehören, nicht gerecht. So falle es vielen von ihnen schwer, über das Erlebte zu sprechen oder sich offen zu ihrer sexuellen Identität zu bekennen, kritisiert das Berliner Selbsthilfezentrum.

Schwulenberatung Berlin fordert LGBT-Anlaufstelle in allen Ankunftszentren

Die Schwulenberatung fordert eine „vorbereitende Beratung“ der betroffenen Flüchtlinge, damit diese erkennen, „welche zentrale Bedeutung die Anhörung im Asylverfahren hat, und um darauf zu vertrauen, dass ihnen keine (weitere) Verfolgung droht, wenn sie sich deutschen Behörden offenbaren“.

Deshalb fordert das Selbsthilfezentrum, dass die Mitarbeiter der Ankunftszentren das Schnellverfahren sofort abbrechen, wenn ein Flüchtling andeutet, einer sexuellen Minderheit anzugehören. Außerdem müsse in allen Ankunftszentren eine „erkennbare Anlaufstelle“ für LGBT-Flüchtlinge eingerichtet werden.