Jeder vierte Migrant möchte keinen homosexuellen Nachbarn

Deutsche Studie zeigt: Viele Migranten haben ein Problem mit Lesben und Schwulen - aber ein Großteil nicht

Frauen mit Kopftüchern
Symbolbild - Fotolia/Kara

Einen genaueren Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Ansichten von Deutschen und Migranten liefert eine neue Stiftung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Und auch, wenn die Ablehnung von homosexuellen Menschen unter Migranten höher ist als unter Deutschen ohne Migrationshintergrund, hat ein Großteil dieser Gruppe kein Problem mit Lesben und Schwulen.

„Was uns prägt. Was uns eint.“ heißt die Studie der Soziologin Sabine Pokorny. Sie beleuchtet Integration und Wahlverhalten von Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund und in Deutschland lebenden Ausländern.

Sechs Prozent der Deutschen wollen keine homosexuelle Nachbarn, aber 25 Prozent der Ausländer

Im Rahmen der Studie wurde auch nachgefragt, wie homophob einige Bevölkerungsgruppen in Deutschland sind. Dazu wurden die Antworten auf die Aussage „Ich will keine homosexuellen Freunde“ untersucht. Das Ergebnis: Sechs Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund bejahten diese Aussage. Unter den Deutschen mit Migrationshintergrund waren es 23 Prozent, bei den Ausländern ohne deutschen Pass sogar 25 Prozent.

Und auch innerhalb der Migranten und Ausländer gab es Unterschiede zwischen einzelnen Ursprungs-Nationalitäten. So wollten russischstämmige Zuwanderer überdurchschnittlich oft keine schwulen oder lesbischen Freunde. Bei den Migranten aus Russland haben 37 Prozent ein Problem mit Homosexuellen. Bei Zuwanderern aus der Türkei liegt dieser Wert im Durchschnitt.

Religiöse Menschen haben ein größeres Problem mit Lesben und Schwulen

Quer durch alle Religionen und Konfessionen zeigte sich, dass die Ablehnung Homosexueller steigt, je religiöser die Befragten sind. So liegt dieser Wert beispielsweise bei nicht-gläubigen Katholiken bei drei Prozent, bei streng gläubigen bei zehn. Bei Muslimen ist das Niveau der Ablehnung aber deutlich höher. Sie beginnt bei 15 Prozent der schwach religiösen Muslime, von den stark religiösen Muslimen möchte jeder Dritte keine Homosexuelle im Freundeskreis.

Andere Studien kommen allerdings zu noch höherer Ablehnung. 57 Prozent der westeuropäischen Muslime aus der Türkei und Marokko geben in einer Studie aus dem Jahr 2015 an, keine homosexuellen Freunde haben zu wollen.

Kanzleramtsminister Altmaier sieht keinen Grund zur Besorgnis

Bei der Vorstellung der Studie sah Kanzleramtsminister Peter Altmaier aufgrund dieser Zahlen allerdings keinen Grund zur Panik: „Bei der Frage zur Homosexualität hätte man vor 20 oder 30 Jahren auch in der deutschen Bevölkerung noch ganz andere Antworten bekommen als heute. Hier hat sich eine Veränderung schneller vollzogen“, so der CDU-Politiker.

Für die Studie wurden 1.021 Deutsche, 1.004 Migranten und 1.009 Ausländer ohne deutschen Pass repräsentativ ausgewählt und im Frühjahr 2015 befragt.