Ein „dreckiger Ficker“ als Idol einer Generation

Offenheit statt falscher Scham: Wie sich George Michael dagegen wehrte, ein familienfreundlicher Schwuler zu werden

George Michael
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Noch immer erschüttert der Tod von George Michael zehntausende Fans. Der Sänger starb am Christtag im Alter von 53 Jahren auf seinem Anwesen in Goring-on-Thames in der Provinz Oxfordshire. Todesursache war vermutlich Herzversagen.

Sein Partner Fadi Fawaz fand ihn in der Früh tot im Bett. „Dieses Weihnachten werde ich nie vergessen. Als erstes am Morgen deinen Partner tot und friedlich im Bett zu finden… Ich werde nie aufhören, dich zu vermissen“, twitterte der australische Friseur. Die beiden Männer waren seit 2011 ein Paar.

https://twitter.com/fadifawaz/status/813438773606449152?ref_src=twsrc%5Etfw

In Erinnerung bleibt George Michael auch als jemand, der seine Homosexualität kompromisslos lebte – und sich weigerte, dabei gesellschaftliche Normen einzuhalten. Das beginnt mit seinem öffentlichen Outing: Im April 1998 wurde er verhaftet, weil er beim  Cruisen in Beverly Hills an einen Polizisten geraten war. Er musste eine Geldstrafe zahlen und 80 Stunden Sozialdienst ableisten. Die britische Boulevardzeitung „The Sun“ titelte in Anspielung an einen Wham-Song: „Zip Me Up Before You Go Go“.

Statt öffentlicher Scham ging George Michael in die Offensive

Doch George Michael wollte sich für diesen Vorfall nicht schämen – im Gegenteil. Als Reaktion auf die Verhaftung und die öffentliche Empörung veröffentlichte er mit dem Disco-Song „Outside“ eine Schwulenhymne. Er habe aus einer Verhaftung wegen öffentlicher Unzucht „in eine trotzige Verhandlung des Rechtes, schwul zu sein“ verwandelt, sagte der britische Schwulenaktivist Peter Tatchell.

Unter seinen Freunden war zu diesem Zeitpunkt schon längst bekannt, dass George Michael schwul war. „Ich habe mich vor vielen Menschen geoutet, seit ich 19 war. Ich bete zu Gott, dass es damals passiert wäre. Ich glaube nicht, dass ich dann die gleiche Karriere gehabt hätte – mein Ego wäre in einigen Bereichen nicht befriedigt worden – aber ich glaube, ich wäre ein glücklicherer Mann gewesen“, sagte er 2007 dem „Guardian“.

Miley Cyrus lobte auf Twitter den „radikalen Aktivismus“ des Sängers

Sein unfreiwilliges Outing war ein Wendepunkt in der Wahrnehmung offen schwuler Prominenter. „Guardian“-Kolumnist Owen Jones bezeichnete George Michael auf Twitter als „Inspiration für schwule Männer, der Homophobie gezeigt hat, dass sie ihn am Arsch lecken kann“. „Deine Sichtbarkeit und dein Stolz hat LGBT-Kids der 90er wie mir geholfen, zu verstehen, dass wir nicht alleine sind“, twitterte Robbie de Santos, leitender Kampagnenmanager bei der britischen LGBT-Organisation „Stonewall“. Auch Miley Cyrus lobte in dem Kurznachrichtendienst den „radikalen Aktivismus für die LGBTQ-Community“ des Musikers.

Auch nach dem Vorfall in Beverly Hills wollte sich George Michael den gesellschaftlichen Normen nicht beugen. So wurde er etwa im Jahr 2008 wurde er mit Kokain und Crack auf einem als Cruising-Ort bekannten U-Bahn-Klo erwischt. „Ich hatte nie ein moralisches Problem damit, schwul zu sein“, sagte er einmal.

Die Empörung über diese Eskapaden war ihm egal. So sagte er einmal: „Man muss nur den Fernseher aufdrehen und sieht, wie sich die gesamte britische Gesellschaft wohlfühlt mit schwulen Männern, die so offen schwul sind und so offensichtlich keine sexuelle Gefahr darstellen. Lesben und Schwule in den Medien machen, was Heterosexuellen ein gutes Gefühl gibt. Und meine reflexartige Antwort darauf ist zu sagen, ich bin ein dreckiger versauter Ficker, und wenn du damit nicht leben kannst, kannst du damit nicht leben.“