Neos-Mandatar Christoph Vavrik ist noch im Parlament

Weil er die Adoption durch ein schwules Paar als "gesellschaftliche Abartigkeit" bezeichnete, musste er gehen - und blieb.

Christoph Vavrik
NEOS

Anfang November hat der Neos-Abgeordnete Christoph Vavrik die erste Adoption durch ein schwules Paar in Österreich als „Abartigkeit“ bezeichnet. Nach heftiger Kritik aus der eigenen Partei hat er angekündigt, sein Nationalratsmandat innerhalb von „ein paar Wochen“ zurückzulegen. Getan hat er es bis heute nicht. Bei den Neos ist man davon peinlich berührt.

Adoption durch schwules Paar für Vavrik „Abartigkeit“, die er mit Sklaverei verglich

Es war ein Artikel über ein schwules Paar aus Wien, das sein Pflegekind adoptiert hat. Eine Premiere in Österreich. Und für Vavrik ein Grund, sich zu empören. Auf Facebook teilte der Nationalratsabgeordnete den Artikel mit dem Kommentar: „O tempora, o mores! Künftige Zivilisationen werden auf solche gesellschaftlichen Abartigkeiten mit demselben Unverständnis blicken wie wir auf die Sklaverei.“

Die Empörung über die Aussage des 55-Jährigen war groß – auch innerhalb der eigenen Partei. „Wir halten das für eine massive verbale Entgleisung, von der wir uns distanzieren und die wir auch sehr bedauern. Das hat nichts mit dem zu tun, wofür unsere BürgerInnenbewegung steht“, so Neos-Generalsekretär Nikola Donig damals.

Nach der Entschuldigung kam die Ankündigung, in „ein paar Wochen“ zurückzutreten

Vavrik entschuldigte sich: „In der Eile und in der Verknappung auf einen Satz (ich saß mit Freunden im Lokal) habe ich sowohl die falsche Wortwahl als auch einen falschen historischen Bezug gewählt“, so der Abgeordnete auf Facebook. „Ich habe damit viele Menschen verletzt, ganz besonders schwule und lesbische Neos-Mitstreiter_Innen und -Bürger_Innen. Das tut mir aufrichtig leid.“

Doch viel zu retten gab es da nicht mehr. „Vavrik hat von sich aus angekündigt, dass er für die nächste Legislaturperiode nicht mehr kandidieren wird“, so Donig weiter. Nachdem der Druck auf den Abgeordneten immer größer wurde, hieß es schon zwei Tage später, er werde in „ein paar Wochen“ selbst zurücktreten. Einzig: Er hat es bis heute nicht getan.

Neos gehen davon aus, dass Christoph Vavrik sich an die Vereinbarung hält

Nun beruhigt der Neos-Generalsekretär die Kritiker: Vavrik werde „zeitnah“ aus dem Nationalrat ausscheiden, versichert er dem „Standard“. Ein genaues Datum konnte Donig nicht nennen. Aber: „Wir gehen davon aus, dass er sich an die Vereinbarung hält.“

Vavrik ist im Parlamentsklub der Neos der Sprecher für Außenpolitik, Entwicklungspolitik, Unvereinbarkeit und Volksanwaltschaft. Diese Bereiche müsse der ehemalige Danone-Manager noch seinen Kollegen übergeben. Außerdem möchte man dem 55-Jährigen Zeit geben, „die Dinge für sich zu ordnen“.

Sollte es sich Christoph Vavrik doch noch anders überlegen, haben die Neos nicht viele Möglichkeiten, etwas dagegen zu machen. Denn das Mandat ist frei, kein Abgeordneter kann zum Rücktritt gezwungen werden. Die Partei könnte ihn lediglich aus dem Parlamentsklub ausschließen – dann wäre ein „wilder“ Mandatar, wie beispielsweise die ehemalige FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter.