CDU-Spahn: Öffnung der Ehe in den nächsten Jahren

Politiker sieht in der Bevölkerung „eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität“

Jens Spahn
Stephan Baumann

Der offen schwule CDU-Politiker Jens Spahn ist zuversichtlich, dass Deutschland noch in diesem Jahrzehnt die Ehe für schwule und lesbische Paare öffnen werde. Das sagte er in einem Interview mit der ARD-Nachrichtensendung „Tagesthemen“.

Mehr als 80 Prozent der Deutschen für Öffnung der Ehe

Anlass für das Interview war eine aktuelle Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Der zufolge stimmen mehr als 80 Prozent der Deutschen der Aussage zu, die Ehe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern solle erlaubt sein. Die Studie zeige, dass sich bei vielen Deutschen in den letzten zehn Jahren „eine neue Selbstverständlichkeit im Umgang mit Homosexualität, mit Schwulen und Lesben“ ergeben habe, so Spahn. Er sei sich sicher, „dass wir beim Thema Eheöffnung ja schon weit gekommen und auch in den nächsten Jahren, noch in diesem Jahrzehnt, die rechtliche Öffnung sehen werden“, erklärt Spahn.

Bis jetzt sind allerdings sämtliche Versuche, die Ehe für schwule und lesbische Paare zu öffnen, an Spahns Partei gescheitert. Auf die Frage, wie er die CDU davon überzeugen wolle, wurde er gegenüber den Tagesthemen nicht sehr konkret. Die Partei sei ebenfalls „in einem solchen Prozess“: Diskussionen und Veränderungen, die sich „in der Gesellschaft insgesamt ergeben“, gebe es auch in einer Volkspartei wie den Christdemokraten. Dabei hoffe er, dass seine Partei auch Menschen erreichen könne, „die vielleicht von Grünen bei Debatten in Köln oder Berlin-Mitte nicht erreicht werden – im Münsterland, in der Eifel, etwa im ländlichen Raum“.

Spahn fordert verbale Abrüstung auf beiden Seiten

In der Diskussion um die Öffnung der Ehe sollten beide Seiten verbal abrüsten, so Spahn, der auch im Bundesparteivorstand der CDU sitzt. Formulierungen wie jene von einer „schrillen Minderheit“, die im März 2013 der heutige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrint gebraucht hat, „schmerzen, die sind unnötig“, so der Politiker. Auf der anderen Seite solle nicht jeder als homophob bezeichnet werden, „der sich schwer tut mit bestimmten Entwicklungen,  weil er jahrzehntelang – wie ja auch meine Eltern oder Großeltern – es nicht anders gelernt haben“.

Lob gab es von Spahn für den politischen Mitbewerber: Der ehemalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit von der SPD und der Grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck hätten viel für „diese neue Offenheit“ getan. Homosexuelle Vorbilder in der Politik seien nach wie vor wichtig, so der 36-Jährige. Es schmerze ihn, wenn lesbische oder schwule Jugendliche aus Angst ihre sexuelle Orientierung verheimlichten.