München: Eigene Wohnungen für queere Flüchtlinge

Die Stadt will geflohene Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender so besser schützen.

München
Nagy/Presseamt München

Homo-, bi-, trans- und intersexuelle Flüchtlinge werden in München bald in besonders geeigneten Einrichtungen untergebracht und betreut. Das hat der Sozialausschuss der bayerischen Landeshauptstadt heute in einer Sitzung beschlossen. Die Beratungsstellen und Unterkünfte haben dem Ausschuss zuvor mitgeteilt, dass es „akuten Bedarf für eine gesonderte Unterbringung dieser Gruppe gibt“.

In einem ersten Test will das zuständige Amt für Wohnen und Migration LGBT-Flüchtlinge in bis zu fünf Wohngemeinschaften unterbringen. Außerdem sollen die Betroffenen besser sozialpädagogisch betreut werden. Hierfür wird eine halbe Vollzeitstelle zur Verfügung gestellt. Wann diese Maßnahmen beginnen, ist allerdings noch nicht klar.

Mit dem Beschluss ist der Sozialausschuss der Stadt München einem Antrag der Fraktion aus Grünen und Rosa Liste gefolgt. „LGBT-Geflüchtete befinden sich aufgrund ihrer sexuellen Identität in einer besonders prekären und bedrohten Situation“, erklärte Stadträtin Lydia Dietrich von den Grünen. Gerade lesbische Frauen seien sowohl auf der Flucht als auch in den Sammelunterkünften Opfer von sexueller Gewalt, so die Politikerin. Deshalb seien entsprechende Schutzräume besonders wichtig.

Auch Stadtrat Thomas Niederbühl von der Rosa Liste macht klar, Deutschland stehe „in der Pflicht, Lesben, Schwulen und Transgender mit Angeboten zur gesonderten Unterbringung vor Anfeindungen und Gewalt zu schützen, denen sie in den Sammelunterkünften regelmäßig ausgesetzt sind“. Außerdem brauche es Bildungsangebote, um Homophobie und Transphobie unter den Flüchtlingen entgegenzuwirken.

Viele Betroffene flüchten aufgrund ihrer sexuellen Identität aus ihrer Heimat. In Deutschland müssen sie aber oft weiter in Angst leben, erklärt der bayerische Lesben- und Schwulenverband (LSVD Bayern): „Konservative und homophobe Einstellungen sind auch unter ihren Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern verbreitet. Die mangelnde Privatsphäre führt zu einer verstärkten Angst vor Entdeckung, etwa weil private Gespräche kaum möglich sind, das persönliche Eigentum nicht geschützt werden kann“, erklärt LSVD-Landessprecherin Hannah Lea.

Dadurch werden LGBT-Flüchtlinge das Opfer einer zweifachen Diskriminierung: Einerseits in den Unterkünften, und andererseits durch das aufgeheizte gesellschaftliche Klima, in dem „sich oft offener Hass“ gegen Flüchtlingseinrichtungen und Geflüchtete entlade, so Lea.

München ist damit nach Hannover und Köln die dritte Kommune in Deutschland, in der die Stadt LGBT-Flüchtlingen eigenen Wohnraum zur Verfügung stellt. In Berlin und Nürnberg werden entsprechende Unterkünfte von privaten Vereinen getragen. In Wien kümmert sich der Verein QueerBase um queere Geflüchtete.