Italien: Mehr als vier Jahre Haft für homophobe Schläger

Sie quälten ihre Opfer mit Eisenketten und traten sie, als sie am Boden lagen

Justitia
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In Italien sind zwei junge Männer zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden, weil sie einen Mann, den sie für schwul hielten, lebensgefährlich verletzt hatten. Lorenzo Giuliani und Federico Burlando, beide 19 Jahre alt, wurden zu jeweils vier Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt.

Jugendliche hielten zwei Hetero-Männer für ein schwules Paar und verprügelten sie

Giuliani und Burlando waren mit einigen anderen Freunden am 14. Juli 2015 in einem Linienbus der norditalienischen Hafenstadt Genua, als die Freundin eines der Männer den 44-jährigen Marzio Narcisi lautstark beschimpfte: „Du schwule Sau, was zum Teufel schaust Du meinen Freund an?“, schrie sie ihn an. Er antwortete, gerade in Gedanken verloren zu sein – doch diese Antwort reichte dem Rest der Gruppe nicht.

Sie schlugen Narcisi und einen Bekannten, als sie gerade auf dem Weg nach Hause waren, mit Eisenketten zusammen und traten sie mit den Füßen, als die Männer schon am Boden lagen.  Die Gruppe hielt die beiden heterosexuellen Männer irrtümlich für ein schwules Paar. Dabei erlitten die Opfer teils lebensgefährliche Verletzungen im Gesicht, den Beinen und auf dem Rücken. Die Täter konnten zunächst unerkannt flüchten.

Erst nach einer Woche ging das Opfer ins Krankenhaus – und entging nur knapp dem Tod

Marzio schleppte sich schwer verletzt nach Hause und vertraute sich seiner Frau an, aus Scham ging er aber nicht gleich ins Krankenhaus. Erst eine Woche nach dem Angriff ließ er sich ärztlich behandeln. Im Krankenhaus wurde eine Gehirnblutung festgestellt, offenbar eine Folge der Schläge auf den Kopf. Die Ärzte versetzten den Mann sofort in ein künstliches Koma und führten eine Notoperation durch.

Mehr als zwei Monate nach der Tat konnten die Beteiligten an dieser Attacke gefasst werden: Drei Männer wurden Ende September von der Polizei verhaftet, gegen die beiden Frauen in der Gruppe wurde Anzeige erstattet. Schlussendlich wurden Giuliani und Burlando wegen versuchten Mordes angeklagt. In ihrem Abschlussbericht betonten die ermittelnden Polizeibeamten, dass Homophobie das Motiv für die grausame Tat war.

Haftstrafe und Verurteilung zu Schadenersatz für die Haupttäter

Nun wurden die beiden Männer von einem Gericht in Genua zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Zusätzlich müssen sie ihrem Opfer 40.000 Euro Schadenersatz zahlen. Dessen Ehefrau bekam von der Richterin zusätzlich 3.000 Euro zugesprochen. Die Freundinnen wurden freigesprochen, obwohl sie Zeugenberichten zufolge die Männer anstachelten und auch selbst zugeschlagen haben sollen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Auch der Busfahrer, der nicht einschritt und auch nicht Polizei und Rettung alarmierte, muss sich wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht verantworten. Die Verkündung seines Urteils wurde vertagt.