Sexuelle Demütigung und Sadismus: Skandal bei der Bundeswehr

Die ersten Akten wurden schon an die Staatsanwaltschaft weitergegeben, so der "Spiegel"

Bundeswehr
Symbolbild - Bundeswehr

In der deutschen Bundeswehr sollen Elitesoldaten erniedrigt und sexuell genötigt worden sein. Das berichtet der „Spiegel“ in seiner Online-Ausgabe. Demnach waren nach Recherchen es Magazins bei der Ausbildung von Kampfrettern, im Militärjargon „Combat First Responder“, in der Kaserne Pfullendorf in Baden-Württemberg sexuell-sadistische Praktiken an der Tagesordnung.

Leutnant wandte sich an Wehrbeauftragten und Ministerin

Der Fall kam ins Rollen nachdem sich ein weiblicher Leutnant aus dem Sanitätsbereich an Hans-Peter Bartels, den Wehrbeauftragten des Bundestages, und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wandte. Sie beschrieb, dass sich unter anderem Rekruten bei der Ausbildung vor Kameraden nackt ausziehen mussten. Vorgesetzte filmten die Szenen, angeblich zu Ausbildungszwecken.

Außerdem sollen die Ausbilder ihren männlichen und weiblichen Untergebenen ohne medizinischen Grund Tampons in den After eingeführt haben. Auch diese Aktionen sollen durch Vorgesetzte dokumentiert worden sein. Beide Vorwürfe haben sich nach Informationen des „Spiegel“ bestätigt.

„Bizarre Erniedrigungsrituale“ auch bei den Wachsoldaten

Auch bei den Wachsoldaten der Kaserne sollen offenbar „bizarre Erniedrigungsrituale an der Tagesordnung“ gewesen sein, wie der „Spiegel“ schreibt: So sollen sich die Soldaten gegenseitig stundenlang an Stühle gefesselt und dann mit Wasserschläuchen abgespritzt haben. Auch hiervon gibt es offenbar Beweisfotos.

Mittlerweile hat sich auch die Ministerin persönlich in die Ermittlungen eingeschaltet. Generalinspekteur Volker Wieker schickte einen Sonderermittler in das Ausbildungszentrum.

Der stellte schnell fest, dass die Ausbildung in der Kaserne offenbar vollkommen aus dem Ruder gelaufen sei. In einer ersten Information für die Obleute des parlamentarischen Verteidigungsausschusses heißt es, die Ausbildung sei „hinsichtlich des Gebotes zur Achtung der Würde des Menschen, der sexuellen Selbstbestimmung und des Schamgefühls unangemessen“ gewesen.

Sieben Soldaten entlassen, Kommandeur versetzt

In einer ersten Konsequenz wurden sieben Soldaten sofort entlassen und ihre Fälle der zuständigen Staatsanwaltschaft Hemmingen übergeben. Sie müssen sich vermutlich wegen Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Gewaltdarstellungen und Nötigung verantworten. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Nach Informationen des „Spiegel“ rechnet die Bundeswehr damit, dass noch weitere Fälle entdeckt werden.

Außerdem wurden offenbar der Kommandeur der Kaserne, zwei weitere Stabsoffiziere und zwei Unteroffiziere auf Befehl des Verteidigungsministeriums umgehend auf irrelevante Posten zu versetzen, um „einen Neuanfang zu ermöglichen“. Die Häufung der bekannt gewordenen Ereignisse „zeigt gravierende Defizite in der Führung“, heißt es in der Information des Ministeriums an den Bundestag.

Die Kampfretter sind eine Elite-Einheit der Bundeswehr. Sie werden unter anderem darauf trainiert, hinter den feindlichen Linien Verletzte zu retten.