New Yorker hatte mehr als 700 falsche Grindr-Dates: Klage

Ein Unbekannter macht Dates in seinem Namen aus - bis zu zwölf Männer standen an einem Tag vor seiner Türe.

Matthew Herrick
Matthew Herrick/privat

Erfolgreich wider Willen war ein 32-jähriger New Yorker auf Grindr: Weil ein Fake-Profil mit seinen Bildern mehr als 700 Sex-Dates verabredet hatte, verklagt Matthew Herrick nun die Macher der App.

„Mein ganzes Leben wurde mir gestohlen“

„Mein ganzes Leben wurde mir gestohlen“, ärgert sich Herrick, der als Schauspieler und Model arbeitet. Und das scheint nicht übertrieben: Die Tortur begann, als eines Tages vollkommen unerwartet ein Mann vor seiner Tür stand und Sex mit dem 32-Jährigen haben wollte.

Als er ihm erklärte, seit mehr als einer Woche nicht auf Grindr gewesen zu sein, zeigte ihm der Mann ein Profil, das Herrick zeigte – inklusive einigen halbnackten Bildern, die er zuvor auf Instagram gepostet hatte. Über dieses Profil hat der Mann mit einem Unbekannten gechattet, der sich als Herrick ausgab, und die Adresse des New Yorkers erhalten.

Am gleichen Tag tauchten noch drei weitere Männer bei dem Schauspieler auf. Das Fake-Profil wurde gemeldet und gelöscht, doch das Alptraum war damit nicht zu Ende. Innerhalb weniger Tage gab es unzählige weitere Profile. Mehr als zwölf Männer tauchten an einem einzigen Tag vor seiner Wohnung auf, weil sie Sex mit ihm erwarteten.

Einige erschienen auch in dem Restaurant, in dem Matthew Herrick jobbt, weil sie dachten, ein schnelles Date verabredet zu haben. Und sie hatten während des Chats mit dem vermeindlichen Herrick auch die Telefonnummer des 32-Jährigen erhalten.

Die Vorlieben der unerwünschten Besucher wurden immer bizarrer

Einmal erklärte der Unbekannte, der sich für Herrick ausgab, seinem Chatpartner, er habe eine Vergewaltigungsfantasie. Herrick und sein Mitbewohner mussten sich sogar mit dem Mann prügeln, um das so ausgemachte Date wieder aus der Wohnung zu bekommen. Ein anderes Mal tauchten sechs Männer gleichzeitig bei dem New Yorker auf, weil sie dachten, in der Wohnung finde eine Sex-Party statt.

Und oft heißt es in dem Fake-Profil, Herrick würde nein sagen, um seinen eifersüchtigen Mitbewohner zu beruhigen, aber in Wirklichkeit doch Sex wollen – und sie sollten später noch einmal kommen. Insgesamt sind über die Fake-Profile auf Grindr mehr als 700 Männer mit der Hoffnung auf schnellen Sex bei ihm aufgetaucht, schätzt der verzweifelte 32-Jährige.

Auch juristische Unterstützung half nicht. Harrick erwirkte letzten Freitag vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen Grindr, der zufolge sie die Fake-Profile stoppen sollten. Doch seitdem sind bereits mindestens 24 weitere Männer zu ihm nach Hause oder an den Arbeitsplatz gekommen.

„Mir wurde die Privatsphäre weggenommen. Ich werde täglich erniedrigt. Es ist die Hölle auf Erden“, sagt er verzweifelt im Gespräch mit dem Online-Magazin „Wired“. Er selbst vermutet, dass sein Ex-Freund hinter den Angriffen steckt, dieser bestreitet alle Vorwürfe.

Grindr ignorierte alle Bitten, diese Hölle auf Erden zu beenden

Nun verklagt Matthew Herrick die beliebte Dating-App vor dem Obersten Gerichtshof des Staates New York wegen Fahrlässigkeit, vorsätzliche Zufügung emotionaler Schmerzen, falscher Werbung und irreführender Geschäftspraktiken. Die Macher hätten es in Kauf genommen, dass seine Identität nachgemacht und zu einem unerwünschten Ankerpunkt für Stalker und Belästiger wurde, so die Klage.

Der 32-Jährige leide den Gerichtsdokumenten zufolge an „konstanter Hypervigilanz; der Angst, dass Grindr verwendet werde, um die falsche Person anzuziehen – jemanden, der die Drohungen, mich anzugreifen oder zu vergewaltigen ernst nimmt.“

Dass es auch anders geht, beweist der Mitbewerber Scruff: Ein dort ebenfalls geschaltetes Fake-Profil wurde nach Angaben von Herrick sofort gelöscht und die IP-Adresse gesperrt, damit keine neuen Profile angelegt werden können.

Eine Stellungnahme von Grindr zu dem Fall gibt es nicht. Juristisch könnten sie aber ihren Kopf aus der Schlinge ziehen: Nach US-amerikanischem Recht sind Internetdienste prinzipiell nicht für die Inhalte ihrer User verantwortlich – eine Regel, die auch Facebook und anderen Netzwerken das Leben juristisch enorm erleichtert.