[Video] Erste Spuren nach Brand in Berliner Schwulensauna

Das Feuer kostete drei Gästen das Leben

Polizei
Symbolbild - Fotolia

Bei einem Brand in einer Berliner Schwulensauna sind Sonntagabend drei Menschen ums Leben gekommen. Das Feuer brach im „Steam Works“ in der Kurfürstenstraße, dem ehemaligen „Apollo Splash Club“, aus. Die 2000 Quadratmeter große Sauna wurde erst im Jänner nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder eröffnet.

Verwinkelte Gänge, kleine Kabine: Aufwändiger Einsatz für die Feuerwehr

Die Rettungskräfte wurden am Sonntag gegen 22.32 Uhr in die Sauna im Stadtteil Charlottenburg gerufen. 80 Einsatzkräfte rückten mit 30 Fahrzeugen an. Beim Eintreffen der Rettungskräfte standen etwa 25 Personen auf der Straße und berichteten, dass noch weitere Personen im stark verqualmten Clubbereich seien. Die Architektur des „Steam Works“ erschwerte dabei den Einsatz: Der Club hat zwei Eingänge und sechs Ausgänge, zusätzlich gibt es sechzig Einzelkabinen.

„Eine eingeleitete Suche nach Vermissten gestaltete sich als sehr schwierig da der Saunaclub sehr verwinkelt und sich auf zwei Etagen verteilte. Zahlreiche kleine Zimmer mussten aufgebrochen und kontrolliert werden“, so die Berliner Feuerwehr. Durch die kleinen Einzelkabinen der ehemaligen „Apollo“-Sauna wurde ein schnelles Abziehen des Rauches zusätzlich erschwert, die Lage war anfangs unübersichtlich.

Der Einsatz im „Steam Works“ war gegen 1.00 Uhr beendet. Die Kurfürstenstraße war noch bis 3.30 Uhr zwischen Budapester Straße und Ansbacher Straße für den Verkehr gesperrt. Die Brandermittler konnten wegen des dichten Rauchs die Arbeit nicht sofort aufnehmen.

Technischer Defekt wird als Grund für den Brand vermutet

Die Polizei geht derzeit von einem technischen Defekt als Grund für den Brand aus. Das Feuer sei nicht in einer Sauna, sondern in einer Zwischendecke des Clubs ausgebrochen, berichtet die „B.Z.“. Von dort aus breitete es sich aus, erklärten die Beamten Montag früh. Hinweise auf Brandstiftung gebe es bislang nicht. Um an den Brandherd zu kommen, mussten die Einsatzkräfte der Feuerwehr ein Stahlgitter eines Eingangstores aufsägen.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung haben die Rettungskräfte mehr als eine halbe Stunde nach Beginn des Einsatzes insgesamt drei Männer mit Ruß bedeckt in den Einzelkabinen der Sauna gefunden. Alle drei Opfer wurden ins Krankenhaus gebracht, wo sie wenig später ihren Verletzungen erlagen. Ihre Identität wurde noch nicht bekanntgegeben. Sie werden heute obduziert. Als Todesursache wird jeweils eine Rauchgasvergiftung vermutet.

Gäste flüchteten sich teilweise in Handtüchern aus der Sauna

Ein 48-jähriger Besucher des „Steam Works“ wurde mit dem Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Wie ein Sprecher der Berliner Feuerwehr mitteilte, seien 15 Männer noch vor Ort untersucht worden, sie waren aber nicht verletzt. Insgesamt befanden sich etwa 30 Menschen zum Zeitpunkt des Brandes in der Sauna. Sie kamen, teilweise nur mit Handtüchern bekleidet, zunächst in einem Feuerwehrbus und einer nahegelegenen Pizzeria unter.

Mit den Brandermittlungen musste die Polizei bis heute vormittag warten. Nach dem Brand war die Qualm-Entwicklung in den Räumlichkeiten der ehemaligen „Apollo Splash Club“ noch zu groß für eine Spurensuche gewesen, so die Berliner Feuerwehr. Nun wird vor Ort ermittelt: „Die Brandermittler sind jetzt drin“, sagte ein Polizeisprecher der „Bild“-Zeitung.

Die „Steam Works“-Sauna in der Kurfürstenstraße liegt im Keller eines Hochhauses, auf das das Feuer nicht übergriff. Als „Apollo Splash Club“ hat die Location eine fast vierzigjährige Geschichte. Die Bewohner des Hauses, darunter auch Senioren eines Altersheims, kamen nicht zu Schaden. Sie wurden während des Einsatzes angewiesen, in ihren Wohnungen zu bleiben.