„Tom rebelliert“: Warum Conchita Wurst bald Geschichte sein könnte

"Ich zweifle, ob ich relevant genug bin, und nicht nur ein One-Trick-Pony"

Conchita Wurst
Screenshot: Facebook/Conchita Wurst

Die Tage von Conchita Wurst scheinen gezählt: Tom Neuwirth, der Mann hinter der Figur, hat in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ angekündigt, Conchita irgendwann zu „töten“ und vielleicht eine neue Kunstfigur zu schaffen.

„Mit der bärtigen Frau habe ich alles erreicht“

„Ich habe das Gefühl, eine neue Persona schaffen zu wollen. Vielleicht noch gar nicht mich. Aber mit der bärtigen Frau habe ich seit dem Song-Contest-Sieg im Prinzip alles erreicht. Ich brauche sie nicht mehr“, erklärte er der Zeitung in einem Interview.

Die Figur der Conchita hat sich seit ihrer Entstehung bereits massiv gewandelt: „Anfangs war ich sehr trashig, als ich noch in der Burlesque-Szene unterwegs war und Shows moderiert habe. Ich war laut, übertrieben, humormäßig und niveautechnisch ziemlich brachial. Ich dachte, eine Dragqueen muss so sein. Irgendwann erwachte diese gut erzogene Frau, fein gekleidet und hochgeschlossen.“

In den letzten Monaten hat sich Conchita gewandelt

In den letzten Monaten wurde Conchita dann immer männlicher. Im Juni 2015 war Conchita oben ohne, mit nassen Haaren, die Brustwarzen mit schwarzem Klebeband verhüllt auf dem Cover des „Rolling Stone“ zu sehen. Dort wurde sie wegen ihrer Botschaft als „zur Zeit einflussreichster Popstar Europas“  bezeichnet.

Oder sind solche Auftritte eine Suche nach der eigenen Identität? „Dass ich heute in flachen Schuhen hier sitze, wäre vor einem Jahr undenkbar gewesen! Ich bin auf der Suche, ja. Ich hinterfrage mich dieser Tage mehr denn je. Ich suche das, was ich richtig gut kann.“, bestätigt der 28-Jährige auch gegenüber der „Welt am Sonntag“: „Ich suche mich. Und Tom rebelliert.“

„Ich war dieser Mann, der glaubte, zu feminin zu sein. Im Kleid habe ich gelernt, das anzunehmen, weil es plötzlich zu mir passte. Ich war lang genug jemand anders“, so Conchita weiter im Interview mit der „Welt am Sonntag“. Für Conchita, jene Figur, mit der er 2014 den Eurovision Song Contest (ESC) gewonnen hat, bedeutet das wohl das Ende: „Ich muss sie töten“, so Neuwirth.

„Ich zweifle an mir, ob ich gut genug bin“

In der Vergangenheit hat Neuwirth immer wieder mit anderen Figuren experimentiert. So war er im Februar 2015 als „Eleonora White“ von der Öffentlichkeit fast gänzlich unbemerkt beim Grazer Tuntenball. Auf dem Twitter-Account von Conchita teilte er danach ein Bild, das ihn ohne Bart, aber dafür mit hellblonder Afro-Perücke und dicken weißen Brillen zeigte. Dazu der Text: „Ich mag es noch immer, mich als #eleonorawhite herzurichten.“

Wie es nach dem Ende von Conchita mit Tom Neuwirth weitergehen könnte, weiß er nicht. „Karl Lagerfeld hat mich einmal fotografiert und dann nie wieder angerufen. Alle suchen immer was Neues. Ich zweifle schon manchmal an mir, ob ich gut genug bin, relevant genug, nicht nur ein One-Trick-Pony.“ Denn die Musikbranche ist härter geworden: „Du musst heute all-inclusive leisten. Ich hab vielleicht noch 20 Jahre, darum nehme ich mit, was kommt“, so Conchita gegenüber der „Welt am Sonntag“.

Doch nun geht Conchita einmal auf Tour. Diese beginnt am 24. Februar beim Opernball in Hannover und endet am 19. August auf der Donaubühne Tulln. Dazwischen ist sie unter anderem mit dem Brucknerorchester bei einer Solo-Gala in Linz zu sehen. Auch ein zweites Album ist in Planung.