Fast jeden Tag Gewalt gegen Lesben und Schwule in der Schweiz

Weil diese Taten aber statistisch nicht erfasst werden, kommen sie praktisch nicht vor.

Flagge der Schweiz
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Seit 2016 bieten verschiedene Schweizer LGBT-Organisationen sowie ihre Freunde und Partner eine Helpline für die Opfer homophober Gewalt an. In den letzten drei Monaten verzeichnete die Helpline mehr als hundert Kontaktaufnahmen, berichtet der Schweizer Rundfunk SRF.

Das bedeutet, dass in der Schweiz fast jeden Tag ein Lesben, ein Schwuler, ein Bisexueller oder eine Transperson wegen ihrer sexuellen Orientierung zum Opfer von Gewalt wird. Und dabei geht es oft nicht um Kleinigkeiten: „Leute werden geschubst und angespuckt, andere müssen gar ins Spital, weil sie schwer verletzt worden sind“, erklärt Bastian Baumann, Chef der Schwulenorganisation „Pink Cross“ dem SRF.

Anzeigen werden nicht auf Hassverbrechen ausgewertet – darum gibt es offiziell keine Hassverbrechen

Die Helpline empfiehlt den Opfern, die Fälle bei der Polizei anzuzeigen. Doch dort werden sie nicht als Hasskriminalität erfasst – wie auch in Österreich wertet die Schweiz Gewalt gegen sexuelle Minderheiten in ihren Statistiken nicht explizit aus. Man behandle alle Personengruppen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung gleich, heißt es seitens der Polizei.

Doch das führt zu einem großen Problem: „Was man nicht erfasst, gibt es offiziell nicht. Und was es nicht gibt, das kümmert die Politik nicht“, erklärt Baumann. Dem entsprechend gibt es auch keine offizielle Ansprechpersonen, keine Programme gegen Gewalt an LGBT oder Bewusstsein für das Thema in der Schweizer Politik.

Das sieht auch Rosmarie Quadranti, Fraktionschefin der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BDP) so. Die Nationalrätin aus Zürich weiß: „Um gute Prävention machen zu können, sind statistische Daten wichtig“ – deshalb möchte sie, dass Hassdelikte aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität künftig in der Kriminalitätsstatistik des Bundes extra ausgewiesen werden. Prinzipielle Unterstützung gibt es dafür vom Bundesrat, der Regierung der Schweiz. Dort ist das Thema aber vorerst wieder eingeschlafen, weshalb Quadranti in den nächsten Wochen nachhaken will.