Zwei Männer vergewaltigen behinderten Schwulen und töten ihn fast

Im wallonischen Lüttich sprach der Richter harte Urteile gegen die beiden Angeklagten

Justitia
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Im belgischen Lüttich hat ein Berufungsgericht zwei Männer wegen eines homophoben Angriffs zu jahrelangen Haftstrafen verurteilt: Die beiden Männer sollen aus Homophobie einen geistig behinderten Schwulen vergewaltigt, verprügelt und in einen Fluss geworfen haben. Dafür wandern der 38-jährigen Michel L. für elf und der 27-jährigen Robert M. für sieben Jahre hinter Gitter. Die erste Instanz hatte noch deutlich mildere Urteile verhängt.

An eine abgelegene Stelle gelockt, vergewaltigt, ausgeraubt, verprügelt und ins kalte Wasser geworfen

Das Gericht sah es für erwiesen an, dass die beiden Männer in der Nacht auf den 1. Februar 2015 einen 53-jährigen Schwulen mit geistigen Behinderung an eine abgelegene Stelle im Stadtteil Angleur gelockt hatten. Dort vergewaltigten sie den Mann unter Androhung von Gewalt und beschimpften ihr Opfer schwulenfeindlich.

Anschließend verprügelten die beiden Männer den 53-Jährigen, raubten ihn aus und warfen ihn in die Ourthe, einen Nebenfluss der Maas. Das Opfer überlebte nur, weil er sich im eiskalten Wasser an einen Baumstamm klammern konnte. Die Richter werteten das als Mordversuch.

Die beiden Täter konnten erst Monate später von der belgischen Polizei gefasst werden. Einer von ihnen hatte sich bereits ins südfranzösische Carcassonne abgesetzt.

Erste Instanz sah kein homophobes Tatmotiv

In der ersten Instanz, die im Oktober 2016 verhandelt wurde, kamen die Männer noch mit durchaus milderen Strafen davon. Das Gericht sprach sie nur des versuchten Mordes schuldig. Michel L. wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, sein Mittäter bekam nur eine Bewährungsstrafe. Wegen der Vergewaltigung, der Entführung und des Raubes sprach er sie frei. Daraufhin legte der Anwalt des Opfers Berufung gegen das Urteil ein.

Die belgische Gleichbehandlungsbehörde UNIA, die sich dem Prozess als Zivilkläger angeschlossen hatte, begrüßt das harte Urteil. Es zeige, „dass Gewalt gegen Homosexuelle Realität ist“, so deren Leiter Patrick Charlier. Höhere Strafen bei homophoben Tatmotiven seien Konsequent, meint er weiter – schließlich würde sich Homophobie gegen den Zusammenhalt in der gesamten Gesellschaft richten.

Das Verbrechen gegen den 53-Jährigen Schwulen war nicht die einzige Gewalttat gegen einen schwulen Mann, die sich in den letzten Jahren in Lüttich ereignete. Im April  2012 wurde der 32-jährige Ihsane Jarfi schwer misshandelt, umgebracht und in einem Feld liegengelassen. Seine Mörder bekamen lebenslange Haftstrafen. Drei Monate später wurde ein 60-jähriger Schwuler in einer Cruising Area mit einem Hammer erschlagen.