Schwuler Rechtspopulist Milo Yiannopoulos lobt Sex mit Minderjährigen

Buchprojekt weg, Rede vor Konservativen weg: Ist er mit diesen Aussagen zu weit gegangen?

Milo Yiannopoulos
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Für die „neue Rechte“ in den USA ist Milo Yiannopoulos ein Glücksfall: Der 32-jährige Brite mit griechischen Wurzeln überschreitet gerne Grenzen und bringt seine Meinung plakativ in die Öffentlichkeit. So hat er publikumswirksam in Schweineblut gebadet, um auf die angebliche Gefahr aufmerksam zu machen, die von Einwanderern ausgehen soll Regelmäßig verbreitet er neonazistische Parolen über Juden, ätzt über die Bewegung „Black Lives Matter“, macht menschenverachtende Kommentare über Feministinnen oder zieht über Transgender her.

Schillernd und provokativ gegen Minderheiten – und als Schwuler fast nicht angreifbar

Dass er offen schwul ist, gibt der „neuen Rechten“ in den USA die Möglichkeit, sich als toleranter zu präsentieren, als sie ist. Da zahlt es sich aus, sich eine schillernde Figur wie Milo Yiannopoulos als Enfant terrible zu halten. „Es ist, als wäre er im Labor erschaffen worden, um einige der hässlichsten Stereotype über Homosexuelle und Konservative aufrechtzuerhalten“, schreibt der offen schwule US-Radiomoderator und Fox-Kommentator Guy Benson über Twitter über Yiannopoulos.

Und wirklich: Diese Taktik funktioniert. Auf den Tagungen und Kongressen der Ultrakonservativen ist der 32-Jährige mit dem Hang zu übertriebenem Halsschmuck ein beliebter Gast. Er ist Redakteur beim ultrarechten News-Portal „Breitbart“ des Präsidentenberaters Steve Bannon. Doch jetzt scheint er eine Grenze überschritten zu haben.

Sex zwischen Erwachsenen und 13-Jährigen kann „völlig einvernehmlich“ sein, glaubt Yiannopoulos

Am Sonntag veröffentlichte die konservative Webseite „The Reagan Battalion“ auf Twitter Ausschnitte aus einem Interview, das Yiannopoulos bereits Anfang 2016 dem Podcast „Drunken Peasants“ gegeben hat. Darin äußert er sich positiv zu Sex zwischen Kindern und Erwachsenen.

https://twitter.com/ReaganBattalion/status/833347036644777985

So spricht er unter anderem darüber, dass Beziehungen zwischen erwachsenen Männern und 13-jährigen Burschen „vollkommen einvernehmlich“ sein könnten. Die älteren Männer könnten die Burschen helfen, sich selbst zu finden, so Yiannopoulos. Das Problem bei diesen Beziehungen sei die Gesellschaft und ihre „willkürliche und unterdrückende Idee von Einvernehmlichkeit“, meint er weiter. „Wir sind besessen von Missbrauch, wir sind besessen von diesem Kindesmissbrauchs-Zeug“, so der 32-Jährige.

„Ich bin Pastor Michael dankbar, ohne ihn wäre ich nie so gut beim Oralsex“

Auf die Nachfrage, dass das sehr nach katholischen Priestern klinge, die ihre Schutzbefohlenen missbrauchen, antwortet der Posterboy der „neuen Rechten“ fast stolz: „Weißt du was? Ich bin dankbar für Pastor Michael. Ich wäre heute nie so gut beim Oralsex, wenn es ihn nicht gegeben hätte.“

Mit diesen Aussagen dürfte er eine Grenze überschritten haben – auch bei seinen Fans und Unterstützern, die seine Provokationen gewohnt sind. Die „Conservative Political Action Conference“, ein wichtiges Meinungsforum für junge amerikanische Konservative, strich ihn am Montag von der Rednerliste. Der Verlag „Simon & Schuster“ kündigte an, ein geplantes Buchprojekt mit Milo Yiannopoulos nicht zu realisieren. Und das könnte den 32-Jährigen teuer kommen: Gerüchteweise hat er dafür bereits einen Vorschuss von 250.000 Dollar bekommen.

Auch sein Job beim rechtsextremen Portal „Breitbart“ ist in Gefahr

Und auch seine Karriere als Redakteur bei „Breitbart“ steht auf der Kippe. Wie die „Washington Post“ berichtet, gibt es in der Redaktion Diskussionen über die Zukunft von Yiannopoulos in der Firma. Einige Redakteure haben ihren Vorgesetzten bereits mitgeteilt, dass sie „Breitbart“ verlassen würden, wenn er bleibe.

Auf Facebook versuchte Milo Yiannopoulos, die Wogen zu glätten. Dafür wählte er die eigenwillige Überschrift „Eine Notiz für Idioten“. Er wolle „einmal mehr meine absolute Abscheu für Erwachsene zum Ausdruck bringen, die Minderjährige missbrauchen“, schreibt der 32-Jährige. Als Missbrauchsopfer habe er einen Teil seiner Karriere verwendet, um Kinderschänder bloßzustellen.

Nun inszeniert sich Milo Yiannopoulos als mehrfaches Opfer

Mit seinen Aussagen hat Yiannopoulos auch die gesamte Schwulenbewegung, die er sonst verachtet, wieder zurückgeworfen. Über Jahrzehnte kämpften schwule Männer gegen das Stigma an, als Kinderschänder gesehen zu werden. Gerade unter Rechten ist diese Meinung noch immer vertreten. Und nun bestätigt sie Yiannopoulos auf so infame Weise.

Er selbst wird vermutlich seinen Kopf dabei wieder aus der Schlinge ziehen können. Denn wie so oft kann sich Milo Yiannopoulos auch jetzt wieder als Opfer inszenieren. Schließlich sei er nicht nur ein Opfer von Kindesmissbrauch geworden, die veröffentlichten Videos seien „absichtlich irreführend geschnitten“ worden: „Meine eigenen Erfahrungen als Opfer haben mich glauben lassen, dass ich zu diesem Thema alles sagen kann, was ich will, egal wie abscheulich es ist“, schrieb er auf Facebook. Er denke nicht, dass Sex mit 13 Jahren okay sein, das sei lediglich das Alter gewesen, in dem er seine Jungfräulichkeit verlor. Seine Dankbarkeit gegenüber Pastor Michael scheint ein Ende gefunden zu haben.